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16. Juli 2026
Heike Pressler

Hitzeschutz in Hemsbach: Stadt setzt auf Begrünung, Abkühlung und Information

Pergola, Sitzbänke und Trinkwasserspender auf dem Hemsbacher Friedhof

Steigende Temperaturen und immer häufigere Hitzewellen sind spürbare Auswirkungen des Klimawandels. Sie stellen Kommunen vor enorme Herausforderungen. Die Stadt Hemsbach hat bereits viele Maßnahmen ergriffen und umgesetzt, um die Bevölkerung besser vor den gesundheitlichen Folgen extremer Hitze zu schützen und gleichzeitig langfristig zur Klimaanpassung beizutragen.

Das umfassende und strategisch ausgerichtete Maßnahmenpaket umfasst eine Kombination aus naturnaher Stadtgestaltung, verbesserter Infrastruktur zur direkten Abkühlung und technischer Modernisierung öffentlicher Gebäude. „So wird das Stadtgebiet systematisch auf sommerliche Hitzeperioden vorbereitet mit dem Ziel, die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig zu sichern und gleichzeitig wertvolle Beiträge zum Arten- und Klimaschutz zu leisten“, erklärt Hemsbachs Bürgermeister Jürgen Kirchner.

Trinkwasserspender und kühle Orte im Stadtgebiet

Ein zentraler Pfeiler der städtischen Vorsorge ist die Schaffung frei zugänglicher, kühler Zufluchtsorte sowie eine verlässliche Versorgung mit frischem Trinkwasser im öffentlichen Raum. In den Jahren 2023 und 2024 wurden hierzu im gesamten Stadtgebiet vier moderne Trinkwasserbrunnen installiert. Um die städtischen Finanzen zu schonen, konnten für drei dieser Anlagen hälftige öffentliche Fördermittel in Höhe von insgesamt rund 16.000 Euro eingeworben werden. Hinzu kam eine großzügige Spende einer Hemsbacher Bürgerin. Die geförderten Brunnen befinden sich an strategisch wichtigen und hochfrequentierten Punkten: unmittelbar vor dem Haupteingang zum Wiesensee, am vielbesuchten Spielplatz der Hebelschule direkt vor dem Eingang zur Kindertagesstätte Regenbogenland sowie an der verkehrstechnisch bedeutenden „Park & Ride“-Anlage am Bahnhof in der Königsberger Straße.

Der vierte Trinkwasserbrunnen wurde komplett eigenfinanziert auf dem Friedhof realisiert – und direkt daneben ein besonders einladender Ruheort geschaffen: Eine neu errichtete, drei mal drei Meter große Pergola, die mit einer dichten Strauchpflanzung stilvoll eingefasst ist, spendet wohltuenden Schatten. Drei darunter platzierte Ruhebänke laden zum Verweilen und Krafttanken ein – oder auch zu einem kleinen Schwätzchen in kühlerer Umgebung, denn es handelt sich um sogenannte „Babbelbänke“, wie sie sich auch am Kleinen Waidsee in Hemsbachs Westen finden. Selbstverständlich liegen auch Letztere unter großen Bäumen im Schatten.

Informationen und „Begrünungsoffensive“

Um auch das persönliche Verhalten der Bevölkerung in extremen Hitzeperioden positiv zu beeinflussen, hat die Stadt in enger und bewährter Zusammenarbeit mit dem Seniorenrat einen praxisnahen „Hitzeknigge“ veröffentlicht. „Dieser Ratgeber bietet der Bürgerschaft wertvolle, leicht umsetzbare Verhaltenstipps für heiße Sommertage und schützt so insbesondere vulnerable Gruppen“, wirbt Christopher Wetzel, Fachbereichsleiter Planung und Technik, für die Broschüre, die auch als Download auf der Website der Stadt Hemsbach zu finden ist.

Neben punktuellen Abkühlungsorten und Informationen setzt Hemsbach auf eine großflächige ökologische Aufwertung des Stadtbildes, um der Entstehung von Hitzeinseln in asphaltierten Bereichen aktiv entgegenzuwirken. Die Pflanzung klima- und hitzeresistenter Bäume bildet dabei das grüne Rückgrat der Klimaanpassung. Seit 2023 wurden im Zuge dieser Begrünungsoffensive bis dato fast 170 neue Bäume zusätzlich auf bestehenden Grünflächen, entsiegelten Arealen und im Verkehrsraum gepflanzt.

Konsequente Entsiegelung

Ergänzt wird dieses Konzept durch konsequente Entsiegelungsmaßnahmen. Bereits im Jahr 2024 wurde auf dem Parkplatz der Sportanlage im Zuge der Errichtung einer neuen Fahrradabstellanlage eine Fläche von rund 290 Quadratmetern umfassend vom Asphalt befreit. Durch die Pflanzung von vier Bäumen, zehn Großsträuchern und die Einsaat von widerstandsfähigem Schotterrasen konnte die Fläche ökologisch aufgewertet werden, was der Stadt überdies eine wertvolle Gutschrift von rund 9.000 Ökopunkten auf das baurechtliche Ökokonto einbrachte. Ebenfalls im Jahr 2024 wurde ein circa 180 Quadratmeter großes Areal an der Bushaltestelle beim Sportcenter in der Hüttenfelder Straße erfolgreich entsiegelt, im Herbst 2025 schließlich die Asphaltflächen im Einmündungsbereich der Lindenstraße und der Berliner Straße sowie im Kreuzungsbereich des Platanenwegs und der Berliner Straße auf einer Gesamtfläche von rund 300 Quadratmetern aufgebrochen und naturnah umgestaltet.

Von Grün in Bunt

„Ein besonderes Augenmerk legen wir auf die Transformation monotoner Rasenflächen in artenreiche und klimaresistente Vegetationsbereiche“, führt Wetzel weiter aus. Bereits im Jahr 2023 wurden zwei Flächen an der Hüttenfelder Straße mit einer Größe von rund 1.000 Quadratmetern in artenreiche Blühflächen umgewandelt – ein Engagement, das vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg mit der Auszeichnung „Goldene Wildbiene“ gewürdigt wurde. Und schon 2022 begann die Umwandlung von rund 480 Quadratmetern Begleitflächen um den Kurpfalzkreisel in prachtvolle Staudenbeete, was der Stadt 2024 die Auszeichnung „Straßenoasen zum Arten- und Klimaschutz“ vom Landesministerium für Verkehr einbrachte. Um auch bei der Pflege kostbare Ressourcen zu schonen, wurde im gleichen Jahr zudem die Bewässerung des Kurpfalz- und Warehamkreisels auf eine hocheffiziente Tröpfchenbewässerung umgestellt, was zu einer Wassereinsparung von beachtlichen 60 Prozent führt.

Das erfolgreiche Konzept wurde konsequent fortgesetzt: Über das KfW-Förderprogramm 444 „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ wurde im vergangenen Jahr die Umwandlung weiterer 2.500 Quadratmeter Rasen- in Blühflächen realisiert. Diese Maßnahmen erstrecken sich über die Lindenstraße, die Bray-Sur-Seine-Straße, den Seeweg, die Eichenstraße, den Starksäckerweg, die Tilsiter Straße sowie den markanten Böschungsbereich der Beethovenbrücke.

Klimaanpassung in Bildungseinrichtungen

Auch im Inneren der städtischen Liegenschaften, insbesondere in den Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder, wurden wegweisende Verbesserungen erzielt: In der Kindertagesstätte „Regenbogenland“ wurden bereits ab Herbst vergangenen Jahres die Gruppen- und Schlafräume erfolgreich mit modernen Klimaanlagen nachgerüstet. Flankierend wurden die Markisen erneuert sowie erweitert und zusätzliche Sonnenschirme im Außenbereich aufgestellt, um den Kindern auch an heißen Tagen ein sicheres Spielen im Freien zu ermöglichen.

Ähnlich umfassend gestalteten sich die Maßnahmen im Kastanienkindergarten: Hier wurden die Gruppen-, Ruhe- und Schlafräume mit Klimageräten ausgestattet, wobei im laufenden Jahr noch zwei weitere Räume vollends klimatisiert werden, um ein durchgängig angenehmes Raumklima zu gewährleisten.

An der Hebelschule sichern funktionale Jalousien an den Fenstern der Nord- und Südseite eine effektive Verschattung der Klassenzimmer. Beim dortigen Schulneubau wurde außerdem streng darauf geachtet, den wertvollen alten Baumbestand im Außenbereich vollständig zu erhalten und durch strategische Neupflanzungen zu ergänzen; ein zusätzlicher Trinkwasserspender befindet sich bereits in der konkreten Planungsphase. Eine größere Lüftungsanlage, die von der Verwaltung ursprünglich ebenfalls geplant war, musste jedoch aufgrund einer Gemeinderatsentscheidung aus Budgetgründen zurückgestellt werden. Mehr Schatten gibt es auch auf dem Schulhof der Goetheschule: Dort sorgen zwei große Schirme für sonnengeschütztes Spielen und Toben während der Pausen.

Außerdem ist für beide Grundschulen eine Klimatisierung in Planung, wofür bereits erste Angebote eingeholt wurden. Christopher Wetzel dazu: „Parallel werden im Rahmen der Haushaltsplanung für 2027 detaillierte Kostenansätze inklusive verschiedener Variantenuntersuchungen erarbeitet.“

Öffentliche Gebäude

Abgerundet wird die technische Modernisierungsoffensive durch gezielte Einzelmaßnahmen in weiteren städtisch genutzten Gebäuden. So wurden innerhalb vergangenen drei Jahre die Kulturbühne Max, die Rathaus-Außenstelle in der Alleestraße 14b sowie das neue Bürgerbüro in der Grabenstraße mit Klimaanlagen ausgestattet, um Besuchern und Mitarbeitern auch bei extremen Außentemperaturen erträgliche Bedingungen zu bieten. Im Bildungszentrum (BIZ) setzt die Stadt auf ein ebenso wirkungsvolles wie ressourcenschonendes Konzept: Die dortige Lüftungsanlage wurde jüngst auf eine intelligente Nachtluftzufuhr umgestellt. Dadurch strömt während der kühlen Nachtstunden frische Luft in das Gebäude, wodurch die Räumlichkeiten für den Folgetag natürlich und kostengünstig vorgekühlt werden.

Langfristige Maßnahmen

„Langfristig verfolgen wir zudem weitere verschiedene Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen. Dazu gehören unter anderem das kommunale Energiemanagement, die kommunale Wärmeplanung sowie Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs öffentlicher Gebäude“, richtet Rathauschef Kirchner den Blick in die Zukunft: „Ziel ist es, die Stadt widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und gleichzeitig den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken.“

Deutlich wird: Hitzeschutz ist inzwischen zu einer dauerhaften kommunalen Aufgabe geworden. Mit einem vielseitigen Zusammenspiel aus grüner Natur und moderner Technik beweist Hemsbach, wie moderne und bürgernahe Klimaanpassung gelingen kann.