Invasive Pflanze: Mit dem Götterbaum ist nicht zu spaßen

Es ist Sommer 2023. Bernhard Ullrich, Projektmanager Blühende Bergstraße und Geschäftsführer des gleichnamigen Vereins, trifft sich in Laudenbach mit Antja Gassmann, die dort mit Schafen und Ziegen Flächen am Blütenweg beweidet. Der Grund: Götterbäume kommen auf dem Weidegrundstück in großer Zahl auf und breiten sich immer weiter aus – und die Tiere rühren sie nicht an. Was tun?
Vor dieser Frage stehen immer mehr Grundstücksbesitzer sowohl in der Ortslage als auch außerhalb. Und sie ist wirklich nicht leicht zu beantworten. Es scheint kein für alle Situationen passendes Wundermittel zu geben.
Einfach nur Abschneiden ist jedenfalls nicht die Lösung! Darauf reagiert der Götterbaum nämlich mit einer unglaublichen Zahl von Wurzelschösslingen, soweit eben seine Wurzeln reichen. Und das Wurzelsystem kann erstaunlich weit reichen. Das Ergebnis ist dann meist schlimmer als vorher.
Da es kein einfaches Patentrezept für alle Fälle gibt, bieten der Verein Blühende Bergstraße in Zusammenarbeit mit den Mitgliedsgemeinden eine Anlaufstelle zur Meldung von Funden und fachliche Beratung an. Informationen sind unter www.bluehende-bergstrasse.de/infos-und-links/goetterbaum abrufbar und sollen dort dem Stand der Erkenntnis entsprechend aktualisiert werden.
Gleichzeitig nimmt der Verein dort, wo der Götterbaum im Projektgebiet bereits bekannt ist, Kontakt mit den Eigentümern auf, um möglichst früh Gegenmaßnahmen einzuleiten. Denn schnelles, aber überlegtes Handeln ist entscheidend.
Warum?
Der Götterbaum ist extrem schnellwüchsig und kommt mit Hitze und Trockenheit sehr gut klar. Was zunächst mit Blick auf den Klimawandel vorteilhaft erscheint, hat für die Artenvielfalt gravierende negative Auswirkungen, indem der Götterbaum so einen entscheidenden Konkurrenzvorteil gegenüber heimischen Gehölzarten hat. Er schafft es, in wenigen Jahren zu einem großen Baum heranzuwachsen. Schon im Alter von 3 bis 5 Jahren können die Bäume Blüten und Früchte bilden. Und dann sind der weiteren Verbreitung über die gut flugfähigen Samen Tür und Tor geöffnet. Und um die Dimension zu verdeutlichen: Auf einem nur 8 Meter hohen Baum wurden schon über eine halbe Million Samen gezählt. Auch durch Wurzelausläufer kann der Götterbaum sehr schnell große Flächen erobern und alles andere verdrängen.
Damit nicht genug, ist der Götterbaum dafür bekannt, dass er jede Ritze findet und sich auch oft am Fuß von Mauern oder sogar in Mauerfugen ansiedelt. Dann sind Schäden programmiert. Außerdem kann der Götterbaum ebenso wie der Essigbaum, mit dem junge Pflanzen oft verwechselt werden, allergische Reaktionen hervorrufen.
Eine Grundregel lautet: Sämlinge und Jungpflanzen müssen umgehend und vollständig mit Wurzeln entfernt werden. Bei größeren Bäumen gilt es schon mehrere Aspekte abzuwägen. Erwachsene weibliche oder zwittrige Bäume außerorts müssen fachgerecht entfernt werden, da von ihnen eine starke Ausbreitungsgefahr ausgeht. Innerorts ist im Einzelfall abzuwägen, ob der Baum erhalten werden soll oder entfernt werden kann. Auch bei männlichen Bäumen ist fallweise zu entscheiden.
Wichtig ist, Sicherheit zu erlangen, dass man es mit einem Götterbaum zu tun hat und nicht irrtümlich ähnlich aussehende schutzwürdige Bäume beseitigt. Der Verein „Blühende Bergstraße“ hat gemeinsam mit den Mitgliedskommunen einen Flyer entwickelt (abrufbar unter www.bluehende-bergstrasse.de/infos-und-links/goetterbaum). Dort wird auf Webseiten hingewiesen, die die Merkmale des Götterbaums zeigen.
Betroffene Grundstücksbesitzer werden gebeten, sich kostenlos und unverbindlich beraten zu lassen, um das Problem zu erkennen und Fehler in der Bekämpfung zu vermeiden.
Anlaufstellen für die Meldung von Vorkommen und Beratung für betroffene Grundstücksbesitzer:
- im Bergstraßenhang zwischen B 3 und Waldrand (außerhalb der Ortschaften):
Bernhard Ullrich, Tel. (06201) 2 59 58 90; E-Mail:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Informationen: www.bluehende-bergstrasse.de/infos-und-links/goetterbaum - in den Ortslagen der Projektgemeinden und in der Ebene:
Laudenbach: Andreas Franke, Tel. (06201) 7002-81,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Hemsbach: Matthias Kadel, Tel. (06201) 707-34,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Weinheim: Antje Beckmann, Tel. (06201) 82-333,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Hirschberg: Bärbel Probst, Tel. (06201) 598-41,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Schriesheim: Patrick Schmidt, Tel. (06203) 602-223,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Dossenheim: Martina Reidel, Tel. (06221) 8651-208,Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Foto: In kurzer Zeit hat der Götterbaum ein ungepflegtes Grundstück erobert (Quelle: Projektmanagement Blühende Bergstraße)