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07. August 2025
Heike Pressler

Refugium für Rebhuhn und Co.: Geopark-Tafel Biotopverbund „Förderung der Offenlandbrüter“ eingeweiht

Christopher Wetzel (Leiter Fachbereich Planung und Technik), Bürgermeister Jürgen Kirchner, Larissa Arras (stellvertretende Geschäftsführerin des Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald) und Matthias Kadel (Fachbereich Planung und Technik) neben der neuen Geopark-Tafel "Biotopverbund Bodenbrüter"

Am Anfang war das Rebhuhn – und ein Anfang ist gemacht, dass es westlich der Autobahn bald wieder zahlreich brüten wird: Dort nämlich hat die Stadt Hemsbach im Zuge einer Neuverpachtung ihrer städtischen Äcker insgesamt 5 Hektar – das entspricht 4,3 Prozent – in Biotopflächen umgewandelt und damit Rebhuhn und Co. im wahrsten Wortsinn der Boden bereitet. Sozusagen als „Endprodukt dieser Biotopverbundplanung“, wie Christopher Wetzel es ausdrückte, wurde jetzt eine Geo-Naturpark-Tafel eingeweiht, welche den Werdegang dieses Gebiets zur Förderung des Rebhuhns und der Offenlandbrüter erklärt. Neben dem Leiter des Fachbereichs Planung und Technik waren Geopark-Projektleiterin Petra Habeck und Matthias Kadel von der Stadtverwaltung zugegen, als die stellvertretende Geopark-Geschäftsführerin Larissa Arras gemeinsam mit Hemsbachs Bürgermeister Jürgen Kirchner die Tafel enthüllte.

Vom Aussterben bedroht

Offenlandbrüter – auch Bodenbrüter genannt – sind Vögel, die, wie der Name schon sagt, ihre Nester auf dem Erdboden bauen, und das gut getarnt. Zu dieser Vogelart zählen beispielsweise zahlreiche Hühnervögel wie eben das Rebhuhn, viele Regenpfeiferartige, auch als Limikolen oder Watvögel bezeichnet, wie der Kiebitz, sowie manche Singvögel wie die Feldlerche. Gerade das Rebhuhn war in der früheren Kulturlandschaft mit Büschen, Stauden, Ackerrainen, Graswegen und Brachflächen ein häufig vorkommender Vogel. Heute ist es, wie viele Bodenbrüter, vom Aussterben bedroht: Vor allem eine zunehmend intensivierte Landwirtschaft, aber auch Bauvorhaben machen ihnen den Lebensraum streitig. Nicht zu vergessen sind unvorsichtige Zweibeiner – erst recht mit Hund, und der nicht immer an der Leine –, die dem gefiederten Nachwuchs ebenfalls gefährlich werden können, wenn sie achtlos über Wiesen laufen und dabei das Brutgeschäft stören.

Allein deshalb ist der Standort der Geopark-Tafel außerhalb der eigentlichen Biotopverbundsflächen gut gewählt, denn Bodenbrüter mögen’s ruhig und ungestört. Das war wohl auch der Grund, weshalb die Untere Naturschutzbehörde den Standort empfohlen hatte. Weiterer Pluspunkt: Die Tafel steht direkt am stark frequentierten Rad- und Fußweg neben der L 3110 und weckt an dieser Stelle großes Interesse, denn „sie eröffnet einen anderen Blick auf die Welt, in der man lebt“, so Bürgermeister Jürgen Kirchner.

Von der „Ladenburger Leppe“…

Zu dieser Welt sollen, so hoffen die Verantwortlichen, nun auch bald wieder stabile Rebhuhnbestände gehören. In drei bis vier Jahren, so Wetzel, werden man ein entsprechendes Monitoring erstellen. Erste Vorkommen jedenfalls habe man bereits gesichtet. Die Arbeit von Jahren scheint sich gelohnt zu haben: Die Stadt Hemsbach bemüht sich nämlich schon seit 2019 um die Förderung der Offenlandbrüter. Eine erste Grünlandfläche entstand damals, nach vielen bürokratischen Hürden, im Gewann „Ladenburger Leppe“. Die Initialzündung kam ursprünglich von der ISEK-Projektgruppe „Landschaft und Vorgebirge“ und mündete in einen Runden Tisch „Allianz für Bodenbrüter“.

Auf dem 1,5 Hektar großen Areal wurden die restlichen noch verbliebenen abgestorbenen Fichten – Reste einer Weihnachtsbaumplantage – gerodet und die Fläche mit standortgerechtem Saatgut eingesät. Eine artenreiche Magerwiese mit Altgrasstreifen bietet seitdem Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren – und ausreichend Nahrungsquellen für Rebhühner. Gepflegt wird die Fläche von einem Laudenbacher Landwirt.

… zum Biotopverbund

An die „Ladenburger Leppe“ grenzen bekanntlich die Lorscher Weschnitzinsel sowie Weinheimer und Viernheimer Grünlandflächen bis hin zum Rebhuhnbestand in Heddesheim. Einen Großteil dieser Flächen zu einem Biotopverbund zu vernetzten, lag demnach im wahrsten Wortsinn nahe. Darüber hinaus liegt in räumlichem Bezug und nur getrennt durch Intensivgrünland im Nordwesten der „Ladenburger Leppe“ die ehemalige BUND-Wiese, die von einem Hemsbacher Landwirt gepflegt wird. Mit den jetzt dazugekommenen 5 Hektar zwischen BAB 5 und Hüttenfeld hat man ein ausgedehntes und zusammenhängendes Ökogebiet mit ausgedehnten Anteilen an Flachland-Mähwiesen und Röhrichten geschaffen – ideale Verhältnisse also für Bodenbrüter und, kleiner Nebeneffekt, ein großes Plus fürs Ökopunktekonto der Stadt.

Alle ziehen an einem Strang

Bemerkenswert ist zudem, dass der Biotopverbund tatsächlich als Gemeinschaftsprojekt gesehen werden kann, auch was dessen Pflege anbelangt. Naturschützer, Landwirte und Jäger ziehen an einem Strang und engagieren sich zusammen mit der Stadtverwaltung und dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald für eine Verbesserung der Lebensräume des Rebhuhns sowie der Offenlandbrüter insgesamt und damit für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Den Pflegemanagementplan erstellt die Untere Naturschutzbehörde, die Erträge verbleiben bei den Landwirten, die für den Pflegeaufwand auch eine Vergütung erhalten. Neben dem gegenseitigen Dank aller Beteiligten sprachen alle dann auch jenen ein explizites Lob aus. Insbesondere Larissa Arras betonte, wie wichtig das direkte und gemeinsame Engagement vor Ort für die Schaffung von Naturräumen und den Erhalt der Arten sei, habe doch jede „ihre Nische und ihren Nutzen“.

Rund 500 solcher Infotafeln, die sowohl bebildert als auch in englischer Sprache abgefasst sind, gibt es inzwischen im Geo-Naturparkgebiet Bergstraße-Odenwald, das von Aschaffenburg bis Mosbach, von Ludwigshafen bis weit östlich von Buchen reicht. Es ist auch nicht die erste Geopark-Tafel in Hemsbach, weitere stehen beispielsweise im Naturschutzgebiet Rohrwiesen sowie am Wiesensee. Und es soll freilich nicht die letzte in Hemsbach bleiben, erklärt Wetzel: „Wir arbeiten selbstverständlich intensiv weiter in Sachen Naturschutz und Biodiversität.“ Zunächst heißt es jetzt aber erst einmal: Willkommen, Rebhuhn und Co.!

Foto: Christopher Wetzel (Leiter Fachbereich Planung und Technik), Bürgermeister Jürgen Kirchner, Larissa Arras (stellvertretende Geschäftsführerin des Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald) und Matthias Kadel (Fachbereich Planung und Technik) neben der neuen Geopark-Tafel "Biotopverbund Bodenbrüter"