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  • Heike Pressler

Weitere 10.000 Euro für notwendige Baumfällungen: Auch Viernheim spendet für Jüdischen Friedhof

Hemsbach/Bergstraße/Region. Die Redensart passt zumindest bedingt: Es läppert sich! Wobei es sich nicht um kleine, sondern ganz erkleckliche Geldsummen handelt, die viele Nachbarkommunen Hemsbachs inzwischen zu den notwendigen Baumfäll- und Instandsetzungsarbeiten auf dem Jüdischen Friedhof im Hemsbacher Mühlweg, deren Kosten auf 130.000 Euro beziffert werden, beigesteuert haben. Im Hemsbacher Rathaus überreichte jetzt auch Bürgermeister Matthias Baaß für die Stadt Viernheim einen Scheck über 10.000 Euro. Damit summiert sich die finanzielle Unterstützung auf derzeit 88.000 Euro.

„Dass die Spendenbereitschaft so enorm ist, hätte ich niemals erwartet. Das ist ein weiteres eindrucksvolles Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts der Kommunen hier an der Bergstraße und in unserer Region“, freute sich Jürgen Kirchner und bedankte sich herzlich für die großzügige Hilfe und Unterstützung. Der Hemsbacher Bürgermeister bemüht sich gemeinsam mit Albrecht Lohrbächer, dem Vorsitzenden des Fördervereins Ehemalige Synagoge Hemsbach e. V. und des Freundeskreises Weinheim – Ramat Gan, um Zuschüsse und Spenden vor allem aus jenen Kommunen, deren Angehörige jüdischer Gemeinden ebenfalls auf dem Friedhof begraben liegen.

Der Jüdische Friedhof

Bei der Hemsbacher Begräbnisstätte handelt es sich nämlich um einen Verbandsfriedhof, der auch von in der Umgebung gelegenen jüdischen Gemeinden genutzt wurde, die sich über einen eigens zu diesem Zweck im Jahre 1716 gegründeten Begräbnisverein an den Pachtkosten beteiligten. Der Vereinigung gehörten neben Hemsbach noch Dossenheim, Feudenheim, Großsachsen, Ladenburg, Lampertheim, Laudenbach, Leutershausen, Lützelsachsen, Schriesheim, Viernheim und Weinheim an.

Der Jüdische Verbandsfriedhof am Mühlweg in Hemsbach ist einer der größten erhaltenen jüdischen Friedhöfe in Baden-Württemberg. Im Jahr 1678 wurde er erstmals erwähnt; die früheste lesbare Inschrift ist mit 1682 datiert. Die letzte Beerdigung fand am 15. April 1941 statt. Nach der Deportation der letzten noch in der Region verbliebenen Juden wurde der Friedhof geschlossen. Erstaunlicherweise hat der Friedhof die Zeit der Verfolgung und der Vernichtung der Juden unbeschadet überstanden und ist noch heute Eigentum der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden.

Knapp 150 Bäume müssen fallen

Normalerweise besteht mehrmals im Jahr die Möglichkeit, den Friedhof unter fachkundiger Führung zu besichtigen. Seit Februar letzten Jahres ist er jedoch wegen Astbruchgefahr gesperrt. Die extremen Witterungsverhältnisse der letzten Jahre mit anhaltender Hitze und Trockenheit haben dem dortigen Baumbestand stark zugesetzt; die heftigen Stürme, zuletzt das Orkantief „Sabine“ im Februar 2020, taten das Übrige. Durch umgestürzte Bäume und herabgefallenes Geäst wurden auch Gräber und Grabsteine beschädigt.

Inzwischen steht fest, dass viele der etwa 400 Bäume, die auf dem Friedhof stehen, morsch oder nicht mehr zu retten sind und gefällt werden müssen. Betroffen sind vor allem 144 Eschen, denen zusätzlich noch das Eschentriebsterben zu schaffen macht, welches von dem Pilz „Hymenoscyphus pseudoalbidus“, auf Deutsch: „Falsches Weißes Stengelbecherchen“, verursacht wird.

Bereits Mitte November 2020 ließ die Stadt Hemsbach, um ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen, unter Zuhilfenahme eines Kranwagens zunächst jene 44 Bäume fällen, die beim nächsten Sturm auf den angrenzenden Mühlweg zu kippen drohten. Mitte bis Ende Februar werden dann weitere 92 Bäume gefällt. Diese Arbeiten müssen aufgrund der schwierigen Geländeverhältnisse mittels Spezialgerät und teilweise sogar per Helikopter vorgenommen werden. Der Grund: Eine Vielzahl der Gräber liegt am Hang, erklärt Lohrbächer, so dass die Bäume quasi mit dem Heli rausgezogen werden müssen, um die Grabsteine nicht zu beschädigen. Dass das nicht billig ist, liegt auf der Hand.

Bereits viele Spenden eingegangen

Anlass für Hemsbachs Bürgermeister Jürgen Kirchner, jene Kommunen anzuschreiben, deren jüdische Angehörige dort ebenfalls begraben liegen, und um finanzielle Beteiligung zu bitten. Gleichzeitig initiierte Albrecht Lohrbächer, Vorsitzender des Fördervereins Ehemalige Synagoge Hemsbach, der sich gemeinsam mit der Stadt Hemsbach für den Erhalt des Friedhofs einsetzt, eine Spendensammlung und sagte für den Verein selbst 20.000 Euro an Unterstützung zu. Und trotz der wegen Corona nicht gerade rosigen Finanzlage auch anderer Kommunen ließ Hilfe nicht lange auf sich warten, im Gegenteil: „Alle haben schnell reagiert und zugesagt, nirgendwo war ein Nachhaken nötig“, so Kirchner.

Inzwischen haben viele Kommunen vier- und sogar fünfstellige Beträge überwiesen oder angekündigt, so die „Nachbarn“ Weinheim und dessen Ortsteil Lützelsachsen sowie Laudenbach, weiterhin Hirschberg, Lampertheim, Ladenburg und Ilvesheim. Auch der Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Leutershausen wurde aktiv und sammelte mittels eines Aufrufs private Spenden. Unter den Spendern waren auch Nachkommen ermordeter jüdischer Mitbürger. Und last but not least gibt es Zuschüsse vom Land bzw. vom Regierungspräsidium Karlsruhe in Höhe von 36.000 Euro.

Baaß: „Es ist auch unser Friedhof“

Dazu kommen jetzt noch 10.000 Euro aus Viernheim. „Eine Beteiligung an den Kosten auch in dieser Höhe war gar keine Frage“, wie Matthias Baaß versichert: „Es gab überhaupt keine Diskussionen im Magistrat, alle stimmten uneingeschränkt einer Unterstützung zu. Es ist ja auch unser Friedhof“, hebt Viernheims Bürgermeister die hohe Bedeutung der Grabstätte für die hessische Stadt hervor. Dort seien bis 1940 alle in Viernheim wohnhaften Juden beerdigt worden, konnte Lohrbächer bestätigen.

Summa summarum sind bisher 88.000 Euro zusammengekommen, dennoch hoffen Lohrbächer und Hemsbachs Rathauschef noch auf weitere Unterstützung, um die Maßnahmen „zügig abzuschließen, damit wir den Jüdischen Friedhof bald wieder zugänglich machen können“, wie Kirchner betonte und gemeinsam mit Lohrbächer versprach, dann alle Verbandsbürgermeister zu einem Rundgang einzuladen.

Erinnerungskultur wachhalten

Und nicht nur das: Auch den jüngeren Generationen möchte man in Zukunft jüdische Traditionen und Geschichte wieder näherbringen und eventuell Schulklassen aus den umliegenden Kommunen zur Besichtigung von Synagoge, Mikwe und Friedhof einladen, sind sich Kirchner, Lohrbächer und Baaß einig, denn: „Wir müssen die Erinnerungskultur pflegen und wachhalten.“

Wer spenden möchte: Spenden nimmt der Förderverein Ehemalige Synagoge Hemsbach entgegen. Das Spendenkonto (IBAN): DE65 6705 0505 0068 0046 59. Weitere Infos auf der Homepage https://ehemalige-synagoge-hemsbach.de/ oder per E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

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