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Mont Blanc, Annecey und das CERN in Genf

Reiseziele des Partnerschaftsvereins Hemsbach in Savoyen

Er hat sich lange Zeit als unzugänglich gezeigt, der Mont Blanc, Westeuropas hächster Gipfel mit 4807m. Die Versuche ihn zu bezwingen dauerten Jahrzehnte. Zwei Franzosen gelang schließlich am 7.August 1786 die Erstbesteigung. Sie bewiesen, dass der zwischenzeitlich schon "Verfluchter Berg" genannte Gipfel doch bezwingbar war.

Mont Blanc

Heute ist der Mont Blanc ein Publikumsmagnet für ganz Europa und wenn es nach den Besucherzahlen geht, auch für Asiaten. Das gesamte Gebiet ist durch zahlreiche Seil- und Zahnradbahnen auch für normale Touristen zugänglich. Zwar bleibt der Mont Blanc selbst nur geübten Bergsteigern vorbehalten, seinen Anblick aus nächster Nähe erlaubt nicht zuletzt ein Ausflug auf den Aiguille du Midi. Mit seiner Höhe von 3842m gewährt er den Besuchern einen exzellenten Blick auf den Gipfel des Mont Blanc und die ihn umgebenden Berge. Diesen Anblick und noch auf viele andere Gipfel im Tal von Chamonix genossen die 43 Mitglieder des Partnerschaftsvereins bei ihrer diesjährigen Fahrt nach Savoyen.
Erste Station der Reise war jedoch Annecy am Lac d'Annecy, zirka 30km südlich von Genf. Dieses romantische Städtchen wird durchzogen von einem Fluss und mehreren Kanälen. Eine Vielzahl von Brücken überquert die Gewässer im Stadtgebiet und verleiht ihm dadurch ein venezianisches Flair.

Altstadt von Annecy

Im Mittelalter war Annecy die Hauptstadt von Savoyen und in der Zeit der Reformation Sitz des Bischofs von Genf. Heute ist es eine Touristenattraktion mit einem lebhaften Markt, vielen Straßencafés, Restaurants und kleinen Boutiquen.

Palais de L'Ile

Das Palais de l'Ile mit dem Aussehen eines Schiffes liegt mitten im Fluss und bietet einen malerischen Ausblick auf die Altstadt. Durch eine Stadtführung, ein Picknick und eine Schiffsrundfahrt auf dem angrenzenden See lernte man die Stadt mit ihrem Blumenschmuck besser kennen und so mancher hat sich in sie verliebt. Die Hemsbacher nutzten Annecy während drei Tagen als Standort und unternahmen von hier aus diverse Ausflüge.

Der erste führte die Gruppe nach Genf in die Schweiz, Sitz vieler internationaler Organisationen. Einen Eindruck hiervon erhielt man durch eine Stadtrundfahrt im eigenen Bus durch zwei zugestiegene Fremdenführer, die durch ihre unterschiedlichen Muttersprachen auch gleich die Mehrsprachigkeit in dieser Stadt demonstrierten. Die Fahrt ging vorbei an riesigen Gebäuden der UNO, der WHO (Welt Gesundheitsorganisation), der WTO (Welt Handels Organisation) und vielen weiteren, bedeutenden Häusern. Das Haus in dem das Internationale Rote Kreuz am 17. März 1864 durch Henry Dunant gegründet wurde, wurde später bei einer Stadtführung zu Fuß besucht.

Für den Nachmittag teilte sich die Gruppe. Ein Teil genoss das schöne Wetter bei einer Rundfahrt auf dem Lac Leman, wie die Schweizer den Genfer See nennen. Der klare Blick auf den Mont Blanc in der Ferne tröstete darüber hinweg, dass das Wahrzeichen von Genf, die Wasserfontäne mit über 140m Höhe, wegen des herrschenden starken Windes nicht in Betrieb war.

Der zweite Teil der Gruppe besuchte das weltberühmte Kernforschungszentrum CERN. Hier werden Experimente zur Erforschung des Aufbaus der Materie und der Wechselwirkung zwischen den Elementarteilchen von einer internationalen Gemeinschaft. Hierzu hat man in der Umgebung von Genf den weltgrööten und leistungsstärksten Teilchenbeschleuniger in ca. 50 bis 150m Tiefe aufgebaut. Er besteht aus einem gigantischen Ring mit einem Umfang von etwa 27km in den 9300 Magnete eingebaut sind, die wegen der benötigten Leitung bei einer Temperatur von minus 271°C betrieben werden.

Teilchenbeschleuniger im CERN

Mittels dieser Magnete werden Teilchen auf annähernd Lichtgeschwindigkeit gebracht, die man gezielt aufeinander prallen lässt. Dabei haben diese winzigen Teilchen eine Energie wie ein Auto mit 1600km/h. Die bei diesem Experiment entstehenden neuen Teilchen werden untersucht, unter anderem auch deshalb, um hinter das Geheimnis der Entstehung des Weltalls zu kommen. Der Einführungsvortrag zu den bisher durchgeführten Experimenten und deren Ergebnissen lieö die Teilnehmer erkennen, dass zwischen dem im Physikunterricht Erlernten und den heutigen Erkenntnissen viel Neues liegt. Einiges davon hat seinen Entdeckern einen Nobelpreis eingebracht. Erfahren hat man dabei auch, dass das World Wide Web (das Internet) quasi ein Abfallprodukt der Arbeit des CERN ist. Zur weltweiten Verteilung der Messdaten aus den Experimenten war dieses Werkzeug eingeführt worden. Heute greifen etwa 10 000 Organisationen und Wissenschaftler auf die Daten aus Genf zurück.
Nach einer Führung durch eine Anlage zur Erzeugung der für die Experimente benötigten Protonen und durch das Rechenzentrum und vielen weiteren interessanten Informationen verließ die Gruppe sehr beeindruckt das CERN.
Die nächsten Ausflüge hatten wieder einen profaneren Hintergrund.
In Aix les Bains wurde erkundet, wie die Hautevolee vor zirka 100 Jahren die Sommerzeit verbrachte. Alte feudale Hotels und die Spielbank lieferten hierzu entsprechendes Anschauungsmaterial. Nach einem Picknick an der Uferpromenade rundete eine Fahrt auf dem Lac du Bourget den Tagesausflug ab.

Yvoire

Der nächste Tag hatte verschiedene Ziele auf der Südseite des Genfer Sees auf der Agenda. Zunächst lockte der Besuch eines romantischen Dorfes mit Namen Yvoire. Der Rundgang führte durch den mittelalterlichen Dorfkern, vorbei an vielen pittoresken Gebäuden und einem kleinen Schloss am See. Die Besucher waren von den gewonnenen Eindrücken begeistert und entschieden: Yvoire verdient seinen Titel als eines der schönsten Dörfer in Frankreich.
In Evian, das den Deutschen durch sein Wasser bekannt ist, lockte wieder eine wunderschöne Uferpromenade zu einem ausgiebigen Picknick mit Baguettes, Pastete, Käse, Früchten und Wein. Die fleißigen Helferinnen konnten das Brot nicht schnell genug belegen. Der Appetit und die Vorfreude auf den köstlichen Genuss ließen kleine Schlangen beim Anstehen entstehen.
Am Nachmittag stand der Besuch eines Ausstellungsparks in Martigny auf dem Programm. Mit der "Fondation Pierre Gianadda" hat ein Schweizer Bauunternehmer seinem verunglückten Bruder ein Denkmal gesetzt. Nach einem informativen Einführungsvortrag zu dem italienischen Maler und Bildhauer: Amadeo Modigliani, dem eine Ausstellung im Hauptgebäude gewidmet war, führte der Weg zunächst durch einen Park. Hier waren viele interessante Skulpturen von namhaften Künstlern des 20. Jahrhunderts wie z.B. Rodin, Miro und Moore aufgestellt.

Die Liegende, Henri Moore

Eine Mosaikwand von Chagall erinnerte viele Teilnehmer an den Besuch seines Museums im letzten Jahr. Überrascht wurden die Besucher auch durch eine Ausstellung einiger Erfindungen von Leonardo da Vinci. Anhand seiner skizzenhaften Aufzeichnungen aus dem 15. Jahrhundert waren etliche Exponate gebaut und ausgestellt worden. So konnten Flugmaschinen, Turbinenantriebe, mechanisch angetriebene Fahrzeuge, ähnlich dem 1. Auto von Karl Benz, sowie ein Maschinengewehr und sogar der Entwurf einer Brücke über den Bosporus in Augenschein genommen werden.

Fahrrad nach da Vinci

Nicht wenige staunten über die Genialität des Italieners, der den meisten bisher nur als Künstler bekannt war. Viele Besucher fanden noch den Weg in eine Oldtimer Ausstellung im Untergeschoss des Hauptgebäudes. Verwunderung lösten dabei die vielen Autos aus, die in der Schweiz gebaut wurden.
Der Tag endete dann in Chamonix, wo der Aufenthalt in Savoyen mit interessanten Bergerkundungen in den nächsten beiden Tagen seine Fortsetzung fand.
Insgesamt waren sich die Teilnehmer am Ende der Reise einig: Der Ausflug in die französischen Alpen war wieder eine eindrucksvolle, interessante und harmonische Reise. Unser Dank und Anerkennung gilt dem Ehepaar Anne-Laure und Dieter Maupai, das sie hervorragend vorbereitet und geleitet hat. Reiseziele, Hotels und Restaurants waren gut ausgesucht. Die ausgewählten Speisen, die Savoyer Spezialitäten und die Weine erfreuten den Gaumen so manches Genießers. So war die Reise nicht nur ein touristisches sondern auch ein kulinarisches Highlight. Alle Teilnehmer wünschen sich deshalb eine Fortsetzung dieser schon traditionellen Reisen nach Frankreich im nächsten oder übernächsten Jahr.

Unsere Reisegruppe

Text und Bilder: W. Toewe

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