
Kurze Chronik der Veste Hemspach

- Die innere Burg um 1743
Für die Zeit vor 1264 existieren keine Dokumente über die Burg zu Hemsbach. Es kann aber als sicher angenommen werden, dass die Burg schon zuvor längere Zeit existierte.
Dokumentarisch nachweisbar ist die Burg erstmalig 1264 im Streit um den von Lorsch behaupteten Besitz zwischen Mainz und dem Pfalzgrafen Ludwig II. anlässlich des Baues der „Neustadt“ Weinheim am 4.Juni 1264. Ein Vergleich hierzu wird in der Burg zu Hemsbach geschlossen.
1273 ist die Burg „Wittum“ für Ludwigs III. Frau Mechthilde, Tochter Rudolfs von Habsburg.
Im Frühjahr 1301 besetzt König Albrecht I. die Bergstraßenorte zwischen Heppenheim und Wiesloch. Rudolf I. verbündet sich mit ihm gegen den Erzbischof von Mainz.
1313 bewerben sich die Brüder Rudolf und Ludwig um die Königswürde und versprechen dem Erzbischof Peter von Mainz die Hälfte Hemsbachs für die Begünstigung bei der Wahl. 1314 wird Ludwig (der Bayer) Reichsoberhaupt, aber der Streit unter den Erben dauerte fort.
Am 29. Mai 1344 musste in einem Schiedsspruch die von Mainz entzogene Burg Hemsbach mit den Dörfern Laudenbach, Hemsbach, Sulzbach und Hege an die Kurpfalz zurück gegeben werden.
1355 wird „Ritter Anselm von Hemsbach“ als Gerichtsmann des Pfalzgrafen und um 1363/64 auch als Burgmann auf der Starkenburg erwähnt.
1367 ist Albrecht von Brackenheim Burggraf.
1381 geschehen Plünderungen und Brandschatzungen an der Bergstraße im Krieg zwischen dem Pfalzgrafen Ruprecht II und dem Erzbischof Adolf I von Mainz.
Am 31. Mai 1392 weilen Erzbischof und Pfalzgraf mit den Vertretern von Worms, Speyer und Mainz zu Friedenserverhandlungen auf der Burg Hemsbach.
Am 29. Juni 1393 verschreibt Ruprecht der Junge der Witwe seines Onkels, Beatrix von Berg, ein Wohnrecht im Schloss und im Bergfried (auch Vorburg genannt).
1400 weilt König Ruprecht III zu Verhandlungen mit dem Erzbischof in Hemsbach.
1402 bleibt die Burg beim großen Brandunglück von Hemsbach vom Feuer verschont.
1403 treffen sich vom 18. bis 19. Juni König Ruprecht und der Erzbischof Johann von Mainz zusammen mit vielen Grafen, Rittern und den Abgesandten vieler Städte mit großem Gefolge auf der Burg, so dass die Quartiere in den Herrenhäusern nicht ausreichen und deshalb ein großes Lager auf den Erlen - oder Schlosswiesen gehalten wird.
Am 28. Februar 1407 treffen in der Burg Hemsbach König Ruprecht und der Erzbischof Johann zum Abschluss eines lebenslangen Bündnisses zusammen.
1410 verstirbt Ruprecht und vermacht der Königin Elisabeth den Witwensitz auf Burg Hemsbach. Sie verstirbt jedoch schon im folgenden Jahr; die Burg fällt den Erben zu.
Noch zu Lebzeiten der verwitweten Königin Elisabeth trifft hier auch 1411 Ludwig III. den Erzbischof Johann von Mainz zur Beilegung verschiedener Streitigkeiten.
1416 verpfändet Pfalzgraf Otto dem Erzbischof für 4000 Gulden halb Hemsbach, Burg und Dorf, wodurch alle Burgbediensteten „zum halben Teil“ dem Erzbischof huldigen und gehorchen mussten.
1419 wird Hemsbach durch den Verkauf des dem Erzbischof überlassenen Pfandes an den Markgrafen Bernhard bis zur Einlösung am 25. Januar 1420 kurze Zeit teilweise badisch.
1421 im April bereitet der Kurfürst seinen nicht besonders erfolgreichen Feldzug nach Böhmen vor. Pfalzgraf Otto lässt während dieser Vorbereitungen die Befestigungen von Burg und Hemsbach verbessern und zusätzliche Gräben anlegen.
Erneute Verpfändung im Jahre 1423 an Ludwig III. für 200 Gulden jährlichen Zins. Kurfürst Ludwig und Pfalzgraf Otto bestimmen sich1427 gegenseitig zu Erben.
Im Winter 1429 vermählt sich Otto I mit Johanna, einer Tochter des Herzogs von Bayern- Landshut und 1430 wird ihr die Burg Hemsbach als Wittum bestimmt. Sie stirbt 1444, kurz nach der Geburt ihres neunten Kindes, sodass der Erbfall nicht eintritt.
1449 werden für 6000 Gulden „Feste und Dörfer Hemspach, Ludenbach und Sulzbach „ mit allen Rechten“ an den Bischof Reinhard von Sickingen zu Worms auf Wiederlösung verkauft. Pfalzgraf Otto scheint seinen Neffen Kurfürst Ludwig IV, der im gleichen Jahr - erst 25 Jahre alt- verstirbt, nicht oder nur unzureichend über den Vertrag unterrichtet zu haben.
1452 nimmt Friedrich I die Kurwürde an, bleibt ledig und nimmt seinen Neffen Philipp, den Thronerben, an Sohnes statt an. Im gleichen Jahr beginnt der „Mainzische Krieg“.
1460 wird ein Vordringen an Hemsbacher Mauern gestoppt. Im Kampf bei Pfeddersheim bleibt der „Pfälzer Fritz“ Sieger und setzt der Fehde ein vorläufiges Ende. Nach dem Bann des Papstes und dem kaiserlich befohlenen Reichskrieg erringen die Pfälzer 1462 einen glorreichen Sieg in der Schlacht bei Seckenheim.
Am 3. März 1485 wird durch Urkunde in Neumark durch Otto II. das ursprünglich für 6000 Gulden auf Wiederlösung verpfändete Land und die Gefälle für 600 Gulden unwiderruflich an den Erzbischof Johannes von Worms verkauft 200 Jahre Wormser Herrschaft und ständiger Widerstreit der Kurfürsten sind die Folge.
Der Religionsstreit 1573 um die Kirche in Hemsbach führt zur Anordnung, die eigenen Untertanen zum Gottesdienst ins Schloss zu befehlen.
Am Anfang des 30 jährigen Krieges (1618 bis 1648) verliert der in Prag zum König gekrönte Pfalzgraf Friedrich V. 1620 die Schlacht am „Weißen Berg“ und wird geächtet. Aus dieser Zeit ist über Hemsbach nicht viel überliefert. Es kam am 30. April 1653 zur Einrichtung eines Simultaneums in Hemsbach, Laudenbach und Sulzbach (d.h. gemeinsame Nutzung der Kirche von Katholiken und Protestanten als Gotteshaus), eines der ersten in Deutschland.
1705 kommt die im Verlauf des Krieges gebrandschatzte und im nachfolgenden „Orleansschen Erbfolgekrieg“ in einen „Steinhaufen“ verwandelte Burg Hemsbach als Ruine wieder in den Besitz der Kurpfalz. Eine notdürftige Instandsetzung diente vornehmlich der landwirtschaftlichen Nutzung.
1710 wird unter Kurfürst Johann Wilhelm das Schatzungswesen verändert, um die dem französischen Stil angepasste Hofhaltung in Heidelberg zu finanzieren. Auch Carl Philipp und 1743 Carl Theodor, die von Mannheim aus regieren, verfügen weitere „Renovationen“ der Burg zur Vermehrung ihrer Einnahmen.
1717-1718 sind zwar umfangreiche Reparaturen vorgenommen worden, aber 1726 liegt alles wieder im Argenund so kommt es 1727 zur Versteigerung als Erbbestand und somit in den Besitz von Wendel Daniel Hoppe aus Weinheim.
1728 gibt die „kurpfälzische Cameralverwaltung“ gegen ein ausgehandeltes Gebot den Auftrag zum Bau des Gewölbekellers für den Wein. (Ritterhaus und Torturm waren in pfälzischem Besitz geblieben). Die volkstümliche „Schlossscheuer“ entsteht. Das ruinöse alte Schlossgebäude wird nicht mehr instandgesetzt.
1743 wird erneuten Wertschätzungen des Geometers Johann Wilhelm Grimm eine deutliche Skizze der Burganlage den aufgezählten Details beigefügt.
1763 erhält der kurpfälzische Regierungs- und Jagdrat Franz Blesen das Areal. Allerdings mit dem Auftrag die alten Mauern und Gräben zu „applanieren“ (einzuebenen). Die von ihm erbaute Villa anstelle des einstigen Pferdestalls ist als Mittelteil des späteren Rathauses erhalten geblieben.
1783 stürzt der Bergfried am alten Schloss um und beschädigt die Zugbrücke die im Gebäude stehende Kelter.
1798 geht der Besitz für einen hundertjährigen Erbbestand an Jakobine Leonhard. Ihrem 1801 beurkundeten Vertrag ist ein präziser Plan mit Messpunkten und Koordinaten beigefügt, der nur noch „das kleine Schlösschen“ das Ritterhaus und die beiden übrig gebliebenen Ställe bzw. Scheunen zeigt.
1839 erwirbt Baron Karl Mayer von Rothschild den durch seine Vorbesitzer vergrößerten Besitz und macht die ehemalige Villa durch seitliche Anbauten und ein weiteres Stockwerk zum neuen Schloss inmitten eines großen Parks.
1954 wird im alten Ritterhaus, das inzwischen zeitweise als Baumateriallager diente, wieder Wein eingelagert. Im oberen Geschoss entsteht später ein Restaurant.
Dem Restaurant wird 1985 eine Wirtschaft im Keller und ein Biergarten angeschlossen.
Weitere Literatur
Burg und Schloßgut zu Hemsbach
Autor: Edwin F. Höhn
Verlag Druck: Druckerei Höhn, Laudenbach
Hemsbach an der Bergstraße im Wandel der Zeit
Autor: I.J.F. Kastner
Herausgegeben von der Stadt Hemsbach
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