
Projektbeschreibung
Gewaltpräventionsprojekt in Hemsbach
Vertragen statt Schlagen
Gewaltfreie Konfliktaustragung in Kindergarten und Grundschule in Hemsbach
Vertragen statt Schlagenist ein Langzeitprojekt über 5 Jahre der Stadt Hemsbach in Kooperation mit dem Jugendamt Rhein-Neckar-Kreis, der Kindertagesstätte Regenbogenland, der Grundschule Hebelschule, der Polizei und den Elternvertretern der Kindertagesstätte.
Der Themenbereich Gewalt ist in aller Munde. Mit großer Sorge muss die zunehmende Dramatisierung einer steigenden Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen zur Kenntnis genommen werden.Zweifelsohneerleben wir in Kindergärten und Grundschulen physische Gewalt. Die Bereitschaft von Kindern und Jugendlichen Gewalt als Mittel der Konfliktbewältigung einzusetzen scheint zu wachsen. Sie sehen in Gewalt ein Mittel zur Problemlösung, ihnen fehlt es an sinnvollen Alternativen.Gespräche mit Lehrerinnen in Grundschulen haben gezeigt, dass diese Entwicklung kein Phänomen der Großstadtschulen ist, sondern dass diese Entwicklung auch an Schulen in kleineren Städten und in ländlichen Gebieten zu beobachten ist. So auch an der Hebelschule Hemsbach, einer Stadt mit 12.500 Einwohnern an der Badischen Bergstraße.
Ausgehend hiervon und alamiert durch weitere Berichte, dass im Grundschulbereich eine wachsende Aggression und Gewaltbereitschaft zu beobachten sei, und der Feststellung einer steigenden Verunsicherung von Eltern, Erzieher/innen und Lehrer/innen haben sich die Kooperationspartner bereits 1998 zu ersten Gesprächen getroffen, um einen Weg zu finden, wie dieser Entwicklung zumindest lokal, entgegengewirkt werden kann. Alle Projektteilnehmer waren sich bereits in den ersten Gesprächen darüber einig, dass ein frühzeitig beginnendes Präventionsprojekt den aktuellen Gegebenheiten entgegenwirken kann.Prävention bedeutet Vorbeugen, Verhindern, Zuvorkommen. Wenn wir von Gewaltpräventionen reden möchten wir Bedingungen schaffen oder verändern, die einzelne Probleme (die Gewalt) erst gar nicht aufkommen lassen.Gewaltprävention ist vor allem dann wirksam, wenn sie sich am Wohlbefinden der Kinder orientiert. Es soll ein förderliches Sozial- und Lernklima entstehen welches das Auftreten von Gewalttätigkeiten vermindert.Prävention muss sich an den gegebenen Ressourcen orientieren. Sie ist nicht defizit- sondern förderungsorientiert. Die Stärken und positive Kräfte der einzelnen Personen, Systeme und Institutionen müssen aktiviert und einbezogen werden. Es ist wichtig darauf zu schauen, welche Ressourcen wir nutzen können.
Aus der Überlegung heraus, dass im frühen Kindesalter entscheidende Weichen für ein späteres Verhalten des Menschen gestellt werden und Kinder im Vorschulalter noch vorurteilsfreier und aufgeschlossener sind, wird der Beginn des Projektes in den Kindergarten gelegt. Ein Kindergarten, der auf die seelischen, motorischen, sozialen und geistigen Bedürfnisse der Kinder altersadäquat eingeht und dadurch ihre Entwicklung fördert, ist die denkbar beste Gewaltprävention. Der Kindergarten wird heute von immer größerer Bedeutung für die emotionale Stabilität und Entwicklung der Kinder. Hier sollten Kinder auch Vertrauen und seelische Sicherheit bekommen. Der Beginn des Projektes im Vorschulalter bietet zudem die Möglichkeit einer intensiven Zusammenarbeit mit den Eltern. Erfahrunsgemäß sind Eltern an einer Zusammenarbeit mit professionellen Erziehenden während der Kindergartenzeit sehr interessiert.
Ziel des Projektes ist es, der auftretenden Gewalt bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken, eine positive Auseinandersetzung mit diesem Thema zu beginnen und den Kindern und Jugendlichen Konfliktlösungsmöglichkeiten abseits der Gewalt zu vermitteln. Sie zu befähigen konfliktfähiger zu werden und ihre Konflikte konstruktiv und gewaltfrei auszutragen. Hierfür sind der Kindergarten und die Grundschule in ihren Erziehungs- und Sozialisationsleistungen zu unterstützen. Ihre Qualität als sozialer und emotionaler Erfahrungsraum ist weiter zu entwickeln und zu fördern.
Die Projektteilnehmer möchten positiv auf die Verhaltensweisen der Kinder einwirken, Verhaltensregeln zusammen mit ihnen erstellen und einen konstruktiven Umgang mit Konflikten vermitteln. Es sollen Grenzen, Regeln und Werte aufgezeigt werden und das Verständnis füreinander gefördert werden. Die Kinder sollen in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden, den Umgang mit Gefühlen erlernen und alternative Umgangsformen kennen lernen um angemessen auf Konflikte reagieren zu können. Hier gilt es sinnvolle Möglichkeiten anzubieten, neben Konfliktlösungstraining gilt es die eigenen Gefühle und die der anderen zu kennen, sowie im Spiel Alternativen kennen zu lernen. Eingehend auf die Lebenswelt der Kinder können Konfliktlösungsstrategien mit den Kindern, aber auch zusammen mit den Eltern erarbeitet werden, denn gerade die Zusammenarbeit mit den Eltern ist ein Hauptanliegen der Projektteilnehmer, die der Auffassung sind, dass immer noch das Elternhaus den größten Einfluss auf die Entwicklung des Kindes nehmen kann und auch in Zukunft als Wertevermittler unersetzlich ist. Somit wird neben der Arbeit mit den Kindern auch eine intensive Elternschule angeboten. Die Eltern werden im Laufe des Projektes betreut und ihnen werden zahlreiche Erziehungstipps an die Hand gegeben.
Die vielen Aspekte des Themas Gewalt veranlassten u.a. die Kooperationspartner das Projekt über einen längeren Zeitraum zu installieren, das die Zeit geben soll mit den Kindern zusammen immer wieder Gewalt zu thematisieren und Alternativen zur Gewalt, bzw. alternative Konfliktlösungsmodelle zu erarbeiten. Besonderen Wert wird auf die verschiedenen Erscheinungsformen von Gewalt gelegt werden. So sollen die Aspekte der verbalen Gewalt, der physischen und psychischen Gewalt sowie u.a. Themen wie Gewalt in den Medien im Rahmen des Projektes diskutiert und behandelt werden.
So allgemein das Thema Gewalt im Verlauf des Projektes behandelt werden soll, so konkret ist es auf Hemsbach und die Hemsbacher Voraussetzungen zugeschnitten. Vertragen statt Schlagen ist ein Projekt, das die Lebensumstände der Hemsbacher Vorschulkinder in der Kindertagesstätte Regenbogenland mit ihrem sozialen Umfeld und den lokalen Angeboten berücksichtigt.
Vertragen statt Schlagen wird im Oktober 2001 mit den Vorschulkindern der Kindertagesstätte Regenbogenland beginnen. Die Kinder und ihre Eltern werden bis zu dem Übergang in eine weiterführende Schule begleitet. Über fünf Jahre werden im Rahmen dieses Projektes Veranstaltungen, Informationen, Projekte und Aktionen für sie stattfinden. Geplant sind u.a. verschiedene Fachvorträge, Lesungen und Buchvorstellungen, das Erleben einer Bewegungsbaustelle und einer Kletterwand, ein Ausflug ins Sinnesmuseum und die Vorführung eines Theaterstückes.
Die Besonderheit des Projektes ist es, dass alle Projektteilnehmer gemeinsam die Zielsetzung sowie den Verlauf des Projektes erarbeitet haben und innerhalb des Projektes jederzeit auf die unterschiedlichsten Situationen und Gegebenheiten reagieren können und entsprechende Veranstaltungen durchführen werden.
Ansprechpartner
Kirchner, Jürgen

















