Auf dem Sprung in eine andere Klasse

Geschrieben von Weinheimer Nachrichten am . Veröffentlicht in ISEK Presse & Berichte

Stadtentwicklung: Die erste ISEK-Bürgerkonferenz listet imposant viele Aktivitäten auf / Veranstaltung in der Uhlandschule trifft aber nur auf geringes Interesse

Es tut sich viel beim Thema ISEK. Dies machten am Donnerstagabend bei der ersten Bürgerkonferenz (von links) Bürgermeister Jürgen Kirchner und die Rathausmitarbeiter Tobias Schork, Karl Engelsdorfer, Juliane Rösler und Thomas Wetzel deutlich. Bild: kopetzky

Hemsbach. Klaus Linnebach hatte nach zwei Stunden Präsentation keinen Zweifel mehr daran, dass Vielzahl und Qualität der Maßnahmen, die aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) entstanden sind, die Attraktivität der Stadt steigern werden und geeignet sind, Hemsbach „nachhaltig in eine andere Klasse zu bringen“. Sie seien zudem ein Musterbeispiel für Bürgerbeteiligung. Diese Aussage hatte die Qualität eines Schlusswortes der ersten ISEK-Bürgerkonferenz, die am Donnerstagabend in der Uhlandschule stattfand. Bürgermeister Jürgen Kirchner ging das Statement wie Öl runter: „Das tut gut“, sagte der Rathauschef am Ende der Veranstaltung, die mit 50, 60 Besuchern allerdings wenig öffentliches Interesse fand.
Hemsbach macht Zukunft

Zuvor hatten die Rathausmitarbeiter Juliane Rösler, Karl Engelsdorfer, Tobias Schork und Thomas Wetzel in knapp zwei Stunden den Gang der ISEK-Pilotmaßnahmen und weitere Vorhaben anhand der Handlungsfelder „Landschaft, Umwelt, Energie“, „Mobilität/Verkehr“, „Bildung/Freizeit“ sowie „Siedlung, Gewerbe, Versorgung“ detailliert beschrieben und deutlich gemacht, dass „Hemsbach Zukunft macht“, wie Bürgermeister Kirchner einleitend formuliert hatte.

ISEK sei der Beweis dafür, dass sich Hemsbach dem rasanten gesellschaftlichen Wandel stelle, der die ganze Gesellschaft ergriffen habe, sagte Kirchner. Themen und Problemfelder würden dabei nicht isoliert, sondern ineinandergreifend betrachtet. Es gehe darum, die Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern. Stadtentwicklung sei für die Menschen da, die Bürger müssten mitmachen und täten dies auch in großer Zahl, sagte der Rathauschef weiter. Das Bündel der angestoßenen Maßnahmen sei eine große Leistung. Dieses Engagement zeige, dass die Umsetzung von ISEK erfolgreich verlaufe. Stadtentwicklung sei dabei auf weitere Impulse angewiesen, um das zu pflegen, was den besonderen Charakter der Stadt ausmache und diesen weiterzuentwickeln.

Neben den beiden sehr aktiven Projektgruppen „Landschaft und Vorgebirge“ und „Wiesenseegestaltung“, neben der intensiven Diskussion zur Umgestaltung des Sportgeländes hat die Stadt dabei Weiteres im Sinne, wie ISEK-Koordinatorin Juliane Rösler im Detail erläuterte. So soll am Montag, 8. Dezember, 18.30 Uhr im Gewölbekeller des Rathauses eine Projektgruppe gegründet werden, die sich mit innerstädtischen Spiel-, Freizeit- und Naherholungsflächen beschäftigen wird. Die Gruppe solle sich der Gestaltung der Ortseingänge ebenso widmen wie den örtlichen Spielplätzen und Grünflächen, sagte Rösler.

Die Rathausmitarbeiterin regte ferner einen Arbeitskreis Parken an, der sich mit einem Parkraumkonzept für den Ortskern beschäftigen soll. An der Bahnhofstraße wurden fünf neue Parkplätze geschaffen, kürzlich die neue Park+Ride-Anlage an der Königsberger Straße fertiggestellt, hatte zuvor der städtische Fachbereichsleiter Karl Engelsdorfer erklärt. Auch sei es möglich, den Parkplatz an der Sparkasse für eine Stunde kostenfrei zu nutzen, was jedoch leider nur wenige annähmen. Gleichwohl bleibt das Thema Parken im Ortskern aufgrund widerstrebender Interessen ein Problem, wie Rösler einräumte. Neue Impulse erwartet sie von einem Einzelhandelsgutachten, das dann erstellt werden soll, wenn das Sanierungsgebiet „Untere Bachgasse“ im kommenden Jahr startet.

Noch in den Kinderschuhen steckt das Pilotprojekt Mobilitätsmanagement. Hinter dem sperrigen Begriff, der zu den Pilotmaßnahmen von ISEK gehört, verbirgt sich der Wunsch, mehr Bürger dazu zu bringen, ihr Auto stehen zu lassen und andere Verkehrsmittel zu nutzen. Ein neuer Arbeitskreis Mobilität könnte dabei vor allem die Schulen in den Blick nehmen, um motorisierte Bring- und Abholdienste der Eltern zu verringern, sagte Rösler. Beim Thema öffentlicher Naverkehr hat sich mit der neuen Innenstadtlinie bereits etwas getan. Weitere Haltestellen würden Zug um Zug barrierefrei ausgebaut, kündigte Rathausmitarbeiter Tobias Schork an. Und: Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember würden auch die Märkte an der Berliner Straße vom Bus angefahren.

Das Rathaus will bei diesem Thema im Übrigen bei sich anfangen und seine Vorbildfunktion wahrnehmen. Aus diesem Grund sei in einer Umfrage das Mobilitätsverhalten der städtischen Mitarbeiter abgefragt worden, die gerade ausgewertet werde, sagte Rösler. Die städtische ISEK-Koordinatorin hatte auch schon konkrete Ideen, wie sich ihre Kollegen künftig fortbewegen könnten. Bei kürzeren Dienstfahrten empfiehlt sie die Nutzung von E-Bikes, die zusammen mit einer wettergeschützten Radabstellanlage am Rathaus stehen sollen. Dort hätten die Stadtwerke Weinheim vor, auch eine Ladestation für E-Bikes zu installieren, kündigte Rösler an. Und so werden wir dank ISEK Bürgermeister Jürgen Kirchner künftig vielleicht mit vom Fahrtwind aufgeblähtem Jackett auf dem elektrischen Rad durch die Stadt eilen sehen, um Außentermine wahrzunehmen. maz