Hemsbach wünscht sich „alla hopp“

Geschrieben von Weinheimer Nachrichten am . Veröffentlicht in ISEK Presse & Berichte

Stadtentwicklung: Umgestaltung des Sportgeländes könnte bald beginnen / Am 5. Juni entscheidet sich, ob die Stadt Stiftungsgeld erhält


So könnte das umgestaltete Sportgelände aussehen. Während die Neuordnung des Außengeländes mit einem neuen Freizeitbereich (links vorne) und eineinhalb Kunstrasenplätzen (links oben) unstrittig ist und schnell realisierbar wäre, dürfte der Bau eines Bürgerhauses und Haus des Sportes (in dieser Variante ohne Hans-Michel-Halle) und eines Geschäftshauses am Wareham-Kreisel (unten) noch einige Diskussionen nach sich ziehen. Visualisierung: Eichler + Schauss

Von unserem Redaktionsmitglied
Matthias Kranz

Hemsbach. Noch 21-mal schlafen, dann wissen wir mehr: Am 5. Juni will die Dietmar-Hopp-Stiftung den Schleier des Geheimnisses lüften, welche 18 Kommunen aus der Metropolregion in den Genuss von Fördergeld für die Anlage einer generationsübergreifenden Bewegungs- und Begegnungsanlage kommen. Die Aktion „alla hopp!“ ist mit 40 Millionen Euro ausgestattet. Die Stadt Hemsbach hat sich zusammen mit 126 weiteren Kommunen um Stiftungsgeld beworben und hofft unter den Preisträgern zu sein, wie Bürgermeister Jürgen Kirchner am Dienstagabend bei einem von rund 80 Personen besuchten Bürgerforum zum Thema Sportplatzumgestaltung in der Sporthalle der Uhlandschule sagte. „Der 5. Juni ist ein wichtiges Datum.“ Henrik Schrader vom Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps) sieht gute Chancen: „Wir erfüllen die Voraussetzungen und haben die Planung mit allen Zielgruppen zusammen gemacht.“
Erst Kunstrasen, dann Freizeitareal

Sollte Hemsbach reüssieren, dann könnte sehr schnell Bewegung ins Sportgelände kommen. Denn bevor im Nordwesten des Areals ein Freizeitbereich mit Finnenbahn und Bolzplatz, mit Kletterlandschaft und Fun-Court, mit Sandplatz für Beach-Volleyball und Beach-Soccer und Senioren-Fitnessbereich geschaffen werden kann, muss die Sportgemeinde erst einmal den westlich des Areals gelegenen Rasen- und Tennenplatz räumen. Das ist jedoch nur möglich, wenn auf dem Hauptrasen sowie einem weiteren Kleinfeld Kunstrasen verlegt wird, der zusammen mit einer neuen Flutlichtanlage die zeitliche Bespielbarkeit der Plätze durch die SG-Fußballer deutlich erhöhen würde. „Erhalten wir Geld von ,alla hopp’ müssen wir ganz schnell in die Planung gehen“, sagte Bürgermeister Kirchner.

Die Umgestaltung des Außengeländes ist kurz- bis mittelfristig möglich, realistisch und im Grunde auch unstrittig. Das geht zumindest aus dem Workshopverfahren hervor, das unter Beteiligung von Vertretern des Vereinssports, nicht-organisierten Freizeitsportlern, der Schulen, Verwaltung und des Gemeinderats Anfang des Jahres die Eckpunkte der gewünschten Umgestaltung formulierte. Schwieriger und vermutlich auch langwieriger dürfte die Debatte um neue Gebäude werden.

Unstrittig ist: Neben einem Haus des Sportes soll es ein Haus der Kultur und der Vereine geben. Zwei Planentwürfe hat das Darmstädter Büro Eichler + Schauss dazu aufgrund der Vorgaben der Diskussion in den Workshops erstellt. Im ersten ist das Bürgerhaus an die Ecke zum Wareham-Kreisel gestellt, das Haus des Sportes und eine neue Gastronomie dockt an die um das Hotel entschlackte Hans-Michel-Halle an. Planer Eichler hält von dieser Variante allerdings nicht sehr viel: Das Bürgerhaus würde abseits stehen, Synergieeffekte, wie beispielsweise eine gemeinsame Nutzung der Gastronomie oder eine gemeinsame Heizzentrale für beide Gebäude, fehlten, sagte er.
Planer favorisiert Abriss

Eichler favorisiert das zweite Plankonzept. Das sieht den Abriss der Hans-Michel-Halle vor. An deren Stelle käme das Bürgerhaus, gleich daneben, verbunden mit einem gemeinsamen Café/Restaurant das Haus des Sportes. Für die Ecke zum Wareham-Kreisel schlägt Eichler ein repräsentatives Geschäftshaus vor.

Henrik Schrader hatte zuvor versucht, mit Zahlen zu untermauern, dass auf die Michel-Halle verzichtet werden könne. Dort finde Handballsport statt, der auch in die Sporthallen des Bildungszentrums verlegt werden könnte, die zu diesem Zweck mit mobilen Tribünen ausgestattet werden müssten. Quantitativ sei Hemsbach gut mit Hallen versorgt, dokumentierte Schrader anhand von überregionalen Vergleichstabellen. Das Raumangebot reiche mit einem neuen Haus des Sportes (Geschossfläche maximal knapp 1900 Quadratmeter) auch ohne Hans-Michel-Halle, um den Bedarf zu decken. „Aber das ist eine politische Entscheidung“, sagte Schrader mit Blick auf den Gemeinderat.
Kritische Stimmen

Ob die Vereine, die sich erst vergangene Woche zum Auftakt einer zweiten (nicht öffentlichen) Workshoprunde getroffen haben, das auch so sehen, darf tunlichst bezweifelt werden. Am Dienstag war diese Frage eher am Rande ein Thema. Hans Krusch erinnerte daran, dass nur die Michel-Halle den Rahmen biete, größere Meisterschaften auszutragen. TV-Vorsitzender Andreas Bonk sah es als nicht sehr glücklich, wenn bei Heimspielen der TV-Handballer Autokarawanen mit auswärtigen Gästen durch die Friedrich-Ebert-Straße führen, um ans Bildungszentrum zu kommen.

Völlig ungelöst ist schließlich die Frage, inwieweit das Eckgrundstück zum Wareham-Kreisel überhaupt überplanbar ist. Der erste Entwurf sieht hier das Bürgerhaus vor, der zweite ein Geschäftshaus. Bekanntlich will Eigentümer Minera die vergrößerte und mit Backshop versehene Agip-Tankstelle hierhin verlagern. Die Stadt hat ein Bebauungsplanverfahren gestartet und eine Veränderungssperre erlassen, Planer Eichler in einer Gemeinderatssitzung vor Kurzem sogar von der Möglichkeit gesprochen, dass sich die Stadt im Wege einer Enteignung das Gelände besorgen könne, um ihre Planung zu verwirklichen. Der Gesprächsfaden mit dem Eigentümer ist jedenfalls abgerissen, bevor er überhaupt geknüpft worden wäre. Die Stadt habe sich mehrfach um ein Gespräch mit dem Eigentümer bemüht, der verweigere aber eine Unterredung und schreibe lieber Leserbriefe, kritisierte Bürgermeister Jürgen Kirchner am Dienstag.
Frage der Finanzierung

Bleibt die Frage der Finanzierung. Die Umgestaltung des Sportgeländes und insbesondere der Bau neuer Gebäude erfordert eine millionenschwere Investition. In welcher Höhe, das wollte Planer Christian Eichler am Dienstag nicht verraten. Die Zahlen sollen erst dem Gemeinderat vorgelegt werden, bevor sie öffentlich gemacht werden, sagte er.

„Es wird immer gefragt, was es kostet“, sagte Schrader, „fragen Sie doch mal, was es bringt!“ Letztlich gehen die Planer davon aus, dass ein attraktives Freizeitgelände und attraktive Raumangebote den Vereinen wieder zu mehr Zulauf verhelfen. In den letzten Jahren jedenfalls haben die Hemsbacher Sportvereine deutlich mehr Mitglieder verloren als im Landestrend, rechnete Schrader anhand von Statistiken vor und vermutete, dass das damit zusammenhängt, dass das gute bestehende Angebot zu unattraktiv präsentiert werde.

„Die Vereine müssen sich wirtschaftlich organisieren“, forderte auch Christian Eichler. Für ihn ist es keine Frage, dass die Sportplatzumgestaltung der Schlüssel zum Erfolg ist: Indem Sport, Freizeitaktivitäten, Kultur, Gastronomie und Chillen künftig am Standort Sportgelände möglich seien, werde die Nutzungsintensität erhöht, sagte Eichler: „Sie müssen Räume schaffen, wo man sich wohlfühlt und wo es lebendig zugeht.“

Bei der Finanzierung und der Beteiligung der Sportvereine könnte auch eine Rolle spielen, was mit den Hallen von Turnverein und Kraftsportverein passiert. Beide Vereine sollen beim Haus des Sportes mit ins Boot, deren Hallen würden dann nicht mehr benötigt. Ein Teilnehmer der Veranstaltung dachte daher auch schon einmal darüber nach, ob die beiden Vereine die Einnahmen aus der Veräußerungen ihrer Grundstücke an einen Bauträger nicht in das neue Projekt einbringen könnten. TV-Vorsitzender Andreas Bonk äußerte sich vorsichtig. Bei einer Aufgabe der TV-Halle müsse geklärt werden, wo der Schulsport der Goetheschule künftig stattfinde. Grundsätzlich halte er das Konzept aber für richtig, den Sport „da unten zu konzentrieren“. Wenn der Turnverein Eigentum veräußere, wolle er aber auch wieder neues Eigentum erwerben. Letztendlich entscheide über diese Frage die Mitgliederversammlung.

Vielleicht sind dies aber auch Überlegungen, die aktuell noch zu weit gehen, wie Schrader zu verstehen gab. Das zweite, derzeit laufende Workshopverfahren dient zunächst einmal dem Zweck, auszuloten, wie eine engere Zusammenarbeit der Sportvereine in einem gemeinsamen Haus aussehen könnte und ob dies überhaupt gewünscht wird. Bürgermeister Jürgen Kirchner hat ein gutes Gefühl. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden werden.“


Streitpunkt Hans-Michel-Halle: Die Planer empfehlen einen Abriss, die Vereine halten an dem Gebäude fest. Bilder: Gutschalk


Streitpunkt Eckgrundstück: Eigentümer Minera möchte die Agip-Tankstelle an den Wareham-Kreisel verlegen, die Stadt das Areal in die Gesamtplanung einbinden.