Neue Inseln, alte Probleme mit Laub

Geschrieben von Weinheimer Nachrichten am . Veröffentlicht in ISEK Presse & Berichte

Wiesensee: Erste Arbeitssitzung der Projektgruppe zum Uferbereich bringt Vorschläge gleich im Dutzend / Ein Masterplan soll Orientierung geben

Der Uferbereich des Wiesensees soll schöner werden. Bild: Gutschalk

Hemsbach. Seit April gibt es die Projektgruppe Wiesenseeufer. In ihr arbeiten Vereinsvertreter vom Stadtseniorenrat über die BSG und den BUND bis hin zum Angelsportverein und Tauchclub sowie Vertreter der Parzellenbesitzer mit, um das Freizeit- und Naturareal im Westen der Stadt attraktiver zu gestalten. Unter Leitung von Rathausmitarbeiter Thomas Wetzel hatte sich die Gruppe jetzt zu einer ersten Arbeitssitzung getroffen. Konkrete Vorhaben wurden dabei noch nicht festgezurrt, wohl aber mehrere Dutzend Vorschläge gesammelt, die die Gruppe beim nächsten Treffen auf ihrer Realisierbarkeit hin abklopfen will.
Mehr Lebensraum für Natur.

Den Start in das Treffen im Rathaus-Gewölbekeller besorgte BUND-Mitarbeiter Günter Woppmann. Er regte an, eine nicht zur Freizeitgestaltung genutzte Fläche am nördlichen Ufer naturnah umzugestalten, und zwar von der Stelle, wo sich Fuß- und Radweg voneinander scheiden, in Richtung Tauchclub. Der Fußweg könnte weggebaggert werden, um in Richtung See eine Aufschüttung vorzunehmen. Dadurch entstehe eine Insel, die Lebensraum für Tiere und Pflanzen schaffe, sagte Woppmann. Ein wenig weiter westlich in der Nähe des Pumpwerks (auf Laudenbacher Gemarkung) regte er an, das Wasser des Hemsbachs auf einer kleinen Fläche zu stauen, um ein Badestelle für Hunde zu schaffen. Eine ähnliche Einrichtung gebe es bereits in Sulzbach, sagte Woppmann.

Der BUND-Mitarbeiter regte ferner Informationswürfel für Wasservögel, eine Animation über Fischarten im See oder zu Baumarten an. Der Stadtseniorenrat wünscht sich laut Woppmann zudem im vorderen Uferbereich eine überdachte Sitzmöglichkeit und würde sich auch bereit erklären, eine Boulebahn daran anzudocken.

Ganz weit oben auf der Agenda stand eine Blumenwiese für Schmetterlinge und Bienen. Die braucht Sonne, aus diesem Grund wäre als Fläche hierfür die „Löwenzahnwiese“ am Südufer bei den Parzellen ideal, die allerdings zu nährstoffreich ist, um ein Wildpflanzenwachstum zu befördern. Die Oberflächenerde müsste aus diesem Grund weggebaggert werden, erklärte BUND-Vorsitzender Gerhard Röhner.
Wasser wird immer brauner

Sehr viel schwerwiegender sind die Probleme mit der Verschlickung des Sees, auf die Armin Steininger vom Tauchclub Octopus aufmerksam machte. Der Blättereintrag durch die umliegenden Bäume habe eine zwei bis drei Meter mächtige Schlickschicht auf dem Seegrund geschaffen, die sich mangels Sauerstoff in den Tiefen des Gewässers nicht abbaue und stetig wachse, erklärte dieser. Die Folge: Das Seewasser werde immer mehr zur braunen Brühe und drohe mittelfristig im Uferbereich in Moor überzugehen. Ein Ausbaggern scheitere an der Menge des Materials, sagte Steininger. Abhilfe könne allenfalls eine behutsame technische Umwälzung des Seewassers schaffen, die dafür sorge, dass Sauerstoff in größere Tiefen gelange und das Blattmaterial zersetze. Um wenigsten den Status quo zu sichern, regte er an, die größeren Bäume am See zu fällen.

BUND-Mitarbeiter Herbert Schwöbel riet von einer künstlich herbeigeführten Umwälzung des Seewassers ab. Wenn sich das Blattmaterial zersetze, würden massiv Nährstoffe gelöst, die eine Algenblüte auslösten und letztlich den See zum Umkippen bringen könnten. Vorstellen konnte er sich allerdings, die hohe Vegetation rund um den See kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Andrea-Caspar Thron hatte vor allem den Fußweg hinter dem Campingplatz im Blick, den sie als vergleichsweise dunkles und unschönes Eck bezeichnete. Rathausmitarbeiter Thomas Wetzel bezweifelte allerdings, ob es möglich sein wird, die Engstelle mit Bewuchs aufzupeppen.

Gerhard Röhner regte einen Masterplan für das Wiesenseeufer an: Zunächst solle alles aufgelistet werden, was verändert und verbessert werden solle, dann könne im Detail gesehen werden, was sich schnell und preiswert umsetzen lasse. Beim abschließenden Brainstorming fehlte es nicht an Ideen. Eine eng beschriebene Din-A4-Seite mit knapp 40 Unterpunkten kam am Ende zusammen: Die Vorschläge reichten von einer Grundreinigung des Uferbereichs und Teilsanierung der Wege über das Aufstellen von Bienen- und Insektenhotels, Hinweistafeln für Flora und Fauna und Projektarbeit mit Schulen zur Herstellung und Betreuung von Nistkästen bis hin zur Suche nach Sponsoren, Übernahme von Patenschaften – und einer neuen Veranstaltung: dem Wiesenseeufertag. maz

Licht ins Dickicht der Einzelideen soll die nächste Sitzung bringen, die am Donnerstag, 5. Juni, 19 Uhr, erneut im Gewölbekeller des Rathauses stattfindet. Am Samstag, 28. Juni, ab 14 Uhr will die Projektgruppe bei einer Begehung am Wiesensee in die Feinplanung gehen. Zu beiden Terminen sind Interessierte eingeladen.