Stadtentwicklung: Planer legen zwei alternative Entwürfe zur Umgestaltung des Sportgeländes vor

Geschrieben von Weinheimer Nachrichten - Matthias Kranz am . Veröffentlicht in ISEK Presse & Berichte

Sportvereine müssen jetzt kooperieren

Hemsbach. Der Weg zu einem neuen Sport- und Freizeitgelände – er ist steinig und steil. Das Workshopverfahren mit Vertretern der Vereine, der Stadtverwaltung und des Gemeinderates ist am Dienstagabend mit dem dritten Treffen zu Ende gegangen – als Ergebnis standen zwei Umgestaltungskonzepte, die Planer Christian Eichler und sein Kollege Michael Schauss präsentierten und die bereits am Montag, 24. März, dem Gemeinderat vorgelegt werden sollen. Beide Konzepte fanden überwiegend Zustimmung im Workshop. Der Teufel steckt jedoch im Detail. Es wird sicherlich noch viele Diskussionen geben.

Freigelände

Die Umgestaltung des Freigeländes könnte dabei relativ schnell angegangen werden. Als ersten Schritt empfahl Moderator Henrik Schrader vom Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps) den Hauptrasenplatz im Sportgelände durch Kunstrasen zu ersetzen und ein neues Kleinspielfeld ebenfalls als Kunstrasen anzulegen. Das Ganze soll eine Flutlichtanlage erhalten und würde die Trainingsbedingungen der Sportgemeinde (SG) so verbessern, dass diese auf die Nebenplätze zur Bray-sur-Seine-Straße hin verzichten könnten.

Dort sehen die beiden Konzepte, die Planer Christian Eichler aufgrund der Vorschläge der Workshopteilnehmer ausgearbeitet hatte, den Freizeitsportbereich vor, der künftig allen Bürgern zugänglich sein soll: mit Bolzplatz und Seniorensportbereich, Fun-Court und Sandplatz, mit Barfußpfad und Bouleplatz. Allerdings ohne einen Baseballplatz, wie ein Workshop-Teilnehmer bemängelte, der später auch als einziger den Planvarianten seine Zustimmung verweigerte. Eichler sah hier eine echte Nutzungskonkurrenz. Baseball hätte sich im Sportgelände nur zulasten des Freizeitsportbereichs integrieren lassen. Der sei für 8000 Bürger geplant, Baseball spielten aktuell 25. „Die Flächenverluste wären immens, der Nutzen nur für eine kleine Gruppe“, sagte Eichler und bat die Abteilung, mit der Stadtverwaltung zusammen nach alternativen Spielmöglichkeiten in Sulzbach oder am Bildungszentrum zu suchen.

Hoffen auf „Alla Hopp“

Auch um Kosten ging es am Dienstag. Für Kunstrasenplätze mit Flutlichtanlage muss laut Schrader mit Ausgaben in Höhe von 770 000 Euro gerechnet werden. Bei der Anlage des modulierten Freizeitbereichs tat sich der Fachmann hingegen schwer: „Wir sind keine Landschaftsgärtner.“ Überhaupt hofft das Rathaus darauf, dass dieser Bereich von der Hopp-Stiftung finanziert wird. Die Stadt Hemsbach hat sich jedenfalls für die „Alla-Hopp“-Aktion beworben, in deren Rahmen die Stiftung 18 generationsübergreifende Bewegungs- und Begegnungsstätten in der Metropolregion mit zusammen 40 Millionen Euro finanzieren will. 127 Kommunen haben sich beworben; am 5. Juni will die Hopp-Stiftung bekannt geben, wer unter den Bewerbern zum Zuge kommt.

Länger könnte die Realisierung der Hochbauten dauern. Beide Varianten sehen den Bau eines Bürgerhauses und eines Hauses des Sportes sowie eines Restaurants/Cafés mit Freiterrasse vor. In der ersten Variante bleibt die Hans-Michel-Halle erhalten, das Bürgerhaus ist auf das Minera-Gelände am Kreisel gerückt, in der zweiten Variante wird die Michel-Halle abgerissen, die beiden neuen Gebäude für Sport und Kultur liegen eng beieinander und werden von der Gastronomie verbunden.

Haus des Sports

Die Fläche des zweigeschossigen Hauses des Sports, das in drei mit Umkleiden und anderen Nebenräumen verbundenen Modulen je nach Bedarf sukzessive errichtet werden könnte, beträgt nach Auskunft von Planer Michael Schauss 2700 Quadratmeter und bietet unterschiedlich hohen und großen Trainingsraum unter anderem für Turnen, Fitness, Kraftsport, Budo, Gymnastik, Tanzen und Steppen. Würde die Hans-Michel-Halle abgerissen, müssten die TV-Handballer in die mit Tribünen ergänzte BIZ-Sporthalle ausweichen. Die Bedarfsberechnung weise auch dann noch Luft aus, wenn TV- und KSV-Halle nicht mehr betrieben würden, versicherte ikps-Mitarbeiter Dr. Jörg Wetterich, traf aber auf Skepsis im Workshop: „Das Haus des Sportes würden allein die Gruppen des Turnvereins schon zu Dreiviertel belegen“, vermutete etwa TV-Vorsitzender Andreas Bonk und wies darauf hin, dass Übungsräume vorrangig in den Zeiten 18 bis 22 Uhr nachgefragt würden. Budoclub-Chef Wolfgang Drissler erinnerte daran, dass bei überregionalen Wettkämpfen bestimmte Hallenabmessungen verlangt würden.

Kooperation erforderlich

Nach Henrik Schrader ist die Hallenbelegung mit einer guten Organisation lösbar. Die ganze Angelegenheit werde im Grunde von den Folgekosten her auch nur finanzierbar, wenn die Sportvereine bereit seien, den Raum gemeinsam zu nutzen. Er riet den Vereinen sehr zu einer Kooperation und gemeinsamen Angeboten. Nur so könnten diese dem schleichenden Mitgliederschwund erfolgreich begegnen.

Dass hier Handlungsbedarf besteht, machte Schrader anhand von Zahlen deutlich. Die Hemsbacher Sportvereine hätten in den letzten fünf Jahren in der Gruppe der 27- bis 40-Jährigen 30 Prozent Mitglieder verloren, deutlich mehr als die Sportvereine in Nordbaden, die nur ein Minus von zwölf Prozent in dieser Altersgruppe verbuchten. Schrader empfahl den Hemsbacher Vereinen die Weinheimer TSG ausdrücklich als positives Beispiel und regte an, eine Zukunftswerkstatt an das Workshopverfahren anzuhängen, um sich das Weinheimer Hector-Sportcentrum, anzuschauen und sich von der TSG beraten zu lassen. Sein Credo: Nur eine Kooperation verschafft den Hemsbacher Sportvereinen mittelfristig eine Perspektive.

Bürgerhaus mit Bühne

Auch das Bürgerhaus, das der Kultur und den in diesem Bereich aktiven Vereinen dienen soll, kann bei Leerstandszeiten von bestimmten Sportgruppen genutzt werden, sagte Eichler. Dieses Gebäude soll für Veranstaltungen bis zu 600 Personen konzipiert werden und würde über 660 Quadratmeter verfügen, die in zwei Säle aufgeteilt werden können. Der kleinere sieht weitere Trennmöglicheiten vor, wie Planer Schauss im Detail erläuterte. Fällt die Michel-Halle weg, würden die Kegelbahnen im Untergeschoss des Bürgerhauses untergebracht. Lärmkonflikte sah Schauss nicht, das lasse sich architektonisch lösen, erklärte er auf Nachfrage.

Bleibt als weitere große Unbekannte die Pläne, die bft-Tankstelle zusammen mit einem Backshop zum Kreisel hin zu verlegen. Für Planer Christian Eichler wäre die Realisierung dieses Vorhaben für das Stadtbild „wie eine 0:6-Klatsche“ in einem Fußballspiel. Eine Tankstelle sei eigentlich keine Architektur, sondern eine „Kiste mit einem Dach drauf“, sagte Eichler und fügte hinzu: „Und das haben Sie dann gleich dreimal am Stadteingang.“

Unbekannte Minera

Nach seiner Überzeugung muss sich die Stadt gerade dort von einer ansprechenderen Seite zeigen. Eine Variante sieht daher den Bau des Bürgerhauses an dieser Stelle vor. Falls sich die Tankstellen-Option direkt am Kreisel nicht verhindern lasse, plädiert Eichler dafür, diese mit dem Bau eines mehrstöckigen repräsentativen Geschäftshauses zu verbinden. Die spannende Frage lautet, was der Investor dazu sagen wird. Bürgermeister Jürgen Kirchner will jetzt das Gespräch mit der Minera suchen. Derzeit können die Tankstellenpläne nicht realisiert werden, weil die Stadt für den Bereich ein Bebauungsplanverfahren gestartet hat und gleichzeitig eine Veränderungssperre erlassen hat. Diese läuft aber kommendes Jahr aus.

Vor den ersten Baubeschlüssen dürfte noch ein wenig Wasser den Hemsbach hinunterfließen. Am Montag, 24. März, wird jetzt zunächst der Gemeinderat offiziell über die beiden Planvarianten informiert. Im Anschluss sollen diese in einem Bürgerforum einer breiten Öffentlichkeit erläutert werden. Parallel dazu sollen sich die Sportvereine in einer Zukunftswerkstatt mit Fragen einer Kooperation beschäftigen. Bürgermeister Jürgen Kirchner maß der Zusammenarbeit entscheidende Bedeutung zu: „Das ist eine historische Chance für die Vereine“, sagte er am Rande der Veranstaltung