Ein Punkt, mit dem sich alle identifizieren

Geschrieben von Weinheimer Nachrichten am . Veröffentlicht in ISEK Presse & Berichte

Stadtentwicklung: Engagierte Diskussionen der Arbeitsgruppen zur Neugestaltung des Sportgeländes / Knackpunkt ist der Erhalt oder Abriss der Hans-Michel-Halle

Henrik Schrader (stehend) und Dr. Jörg Wetterich (sitzend davor) vom Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung begleiten die Hemsbacher Planungen. Bild: Hofmann Hemsbach. Was passiert mit der Hans-Michel-Halle – Abriss oder Erhalt? Und sind die örtlichen Sportvereine tatsächlich bereit für eine Zusammenarbeit? Das sind die wesentlichen Diskussionspunkte beim Thema Neugestaltung des Hemsbacher Sportgeländes. Am Dienstagabend fand der zweite von insgesamt drei Workshops im Rahmen des Stadtentwicklungsprozesses „Sport- und Freizeitentwicklung“ statt. Im Mittelpunkt steht dabei die Überplanung des Sportgeländes.

„Es geht um einen Identifikationspunkt für ganz Hemsbach“,sagte Henrik Schrader vom Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps) aus Stuttgart. Die beteiligten Arbeitsgruppen aus Bürgern, Vereinsvertretern und Gemeinderäten erarbeiteten jetzt in groben Umrissen zwei Planungsvarianten. Dabei gibt es viele Übereinstimmungen, aber auch einen grundlegenden Unterschied. In der einen Variante bleibt die Hans-Michel-Halle erhalten, in der anderen soll sie abgerissen werden.

Beide Überlegungen beinhalten die Diskussion über den Neubau eines gemeinsamen Sportvereinszentrums („Haus des Sports“) für die Sportvereine sowie den Bau eines „Bürgerhauses“ für die Kultur-Vereine. Was letztlich realisiert wird, obliegt indes der Entscheidungshoheit des Gemeinderats, betonte Schrader. Natürlich werden hier auch finanzielle Aspekte eine wesentliche Rolle spielen.

Ohne Hans-Michel-Halle

Der erste Planungsansatz sieht den Rückbau der sanierungsbedürftigen Hans-Michel-Halle samt Sport-Center und Hotelbereich vor. An dessen Stelle könnte ein größeres „Haus des Sports“ samt Kegelbahnen im Untergeschoss und in „naher Trennung“ dazu ein ebenfalls zweistöckiges „Bürgerhaus“ errichtet werden. An den Gebäudekomplex in L-Form soll ferner ein neuer Umkleidebereich für die Fußballer angeschlossen werden. Das bisherige SG-Vereinsheim würde ebenfalls abgerissen. Im Norden des Areals entlang der Lindenstraße ist ein „Seniorenbereich“ mit Fitnessstationen angedacht. Im Herzen des Geländes könnte es einen „Marktplatz“, einen Kleinkinderbereich sowie eine Gaststätte geben.

Der nordwestliche Teil soll als Freizeitbereich auch für ältere Kinder und Jugendliche gestaltet werden. In der Diskussion steht zudem ein „verkehrsberuhigter Bereich“ unter Einbeziehung des Spielplatzes am Kiefernweg und dem Übergang zum Wiesenseeareal. Der südwestliche Bereich Richtung Tankstellen könnte durch Kletterwände, Geländemodulationen und eine Sandspielfläche inklusive Beachvolleyballanlage abgegrenzt werden.

Aber es besteht auch Einigkeit besteht in beiden Varianten: So soll das Gelände in einen Teilbereich zur ausschließlichen Vereinsnutzung sowie einen Bereich der öffentlich zugängigen Nutzung unterteilt werden. An der Stelle des heutigen Hauptrasenplatzes ist ein Kunstrasenspielfeld mit Flutlichtanlage und benachbart ein kleinerer Kunstrasentrainingsplatz eingeplant. Das Gelände um den Kunstrasenplatz könnte so moduliert werden, dass ein Wall als Lärmschutz entsteht, mit Stufen, die dem Hauptspielfeld einen „Arena-Charakter“ verleihen würden. Die Leichtathletik-Laufbahn soll so lange erhalten bleiben, bis die Frage einer Verlegung auf das BIZ-Gelände endgültig geklärt ist. Und die bisherigen Tennisplätze sollen für die Errichtung von Neubauten genutzt werden. Der TC Wiesensee könne künftig die Plätze des TC 65 Hemsbach mitnutzen, was allerdings keine Fusion der beiden Tennisvereine bedeute.

Falls die Hans-Michel-Halle abgerissen werde, sollen die Handballer des TV Hemsbach in den BIZ-Sporthallen eine neue Heimat finden. Dort müsste dann eine so genannte „Klapp-Tribüne“ für bis zu 200 Zuschauer integriert werden, ein erstes Kostenangebot dafür beläuft sich auf rund 80 000 Euro.

Die Befürworter eines Abrisses der Hans-Michel-Halle versprechen sich von der Neugliederung unter einem gemeinsamen Dach in einem „Haus des Sports“ auch eine Stärkung des „Wir-Gefühls“ der Hemsbacher Sportvereine. Das könne nicht nur Synergieeffekte – etwa eine gemeinsame Geschäftsstelle –, sondern vor allem eine Steigerung der Attraktivität mit sich bringen.

Das erkennt auch eine Untersuchung des ikps. Das Institut hat die Entwicklung der Mitgliederzahlen der Hemsbacher Sportvereine in den zurückliegenden fünf Jahren unter die Lupe genommen und dabei einen deutlichen Rückgang in allen Altersbereichen außer den über 60-Jährigen ermittelt. Eklatant sei die Abnahme im Altersbereich von 27 bis 40 Jahre mit rund 30 Prozent.

Mit einer Bündelung der Kräfte der Sportvereine in einem „kompakt gestalteten“ neuen Sport- und Freizeitgelände könne dem Mitgliederschwund entgegengewirkt werden. Dies zeige das Beispiel in Bad Hersfeld, erklärte Henrik Schrader.

Mit Erhalt Hans-Michel-Halle

Für den Erhalt der Hans-Michel-Halle spricht sich dagegen die zweite Arbeitsgruppe aus, denen auch die Vertreter der beiden Großvereine TV und SG Hemsbach angehören. „Der kooperative Gedanke ist noch nicht ausgeprägt“, fasste Dr. Jörg Wetterich vom ikps die Diskussion dieser Workshop-Gruppe zusammen. „Noch gibt es die Tendenz, dass jeder Verein seinen eigenen Bereich haben möchte.“

Auch in der zweiten Planungsvariante soll der Hotelbereich des Sport-Centers abgerissen worden. Dadurch entstünde Platz, um auf dem bestehenden Baukörper neue Räumlichkeiten unterbringen zu können. Die Kegelbahnen und die bestehenden Gymnastik- und Tanzsporträume sollen erhalten bleiben. Auf dem Tennisgelände wäre ein Neubau möglich. Dort könnten die benötigten Räumlichkeiten geschaffen werden, falls die bisherigen Sportstätten wie TV-Halle, KSV-Halle und Schillerschule im Stadtgebiet nicht mehr zur Verfügung stehen würden.

Die räumliche Größe des Hemsbacher Sportgeländes bietet viel Entwicklungspotenzial für eine künftige Gestaltung. Damit beschäftigt sich aktuell ein Workshop im Rahmen des ISEK-Projekts. Bislang gibt es zwei grob umrissene Planungsvarianten, eine mit dem Erhalt der Hans-Michel-Halle (links unterhalb des Hauptrasenplatzes), eine mit deren Abriss. Luftbild: Pfrang Der bestehende Parkplatz soll erhalten, eine Verlegung der Waschanlage der Tankstelle diskutiert und in diesem Abschnitt eventuell ein „Bürgerhaus“ für die Kultur-Vereine errichtet werden. Dessen Standort müsse nicht zwingend auf dem Sport- und Freizeitgelände liegen, wollte sich CDU-Stadtrat Herbert Schwöbel die Option offen lassen, ein „Bürgerhaus“ auf dem Gelände der Schillerschule zu verwirklichen.

Auf jeden Fall werde sich Hemsbach bemühen, für die Neugestaltung des Sport- und Freizeitgeländes Fördergelder über die Dietmar-Hopp-Stiftung „alla hopp“ zu beziehen, die mit 40 Millionen Euro ausgestattet ist. Die Stadt würde alle Förderkriterien erfüllen – allerdings gibt es auch eine dreistellige Zahl an Kommunen, die sich dafür bewerben. bk