Endgültiges Aus für die Uhlandschule

Geschrieben von Weinheimer Nachrichten am . Veröffentlicht in Aktuelles

Gemeinderat: Hebelschule wird dreizügige Ganztagsschule in Wahlform / Für eine dritte Grundschule fehlen die Schüler

Hemsbach. Diskutiert wurde darüber in den letzten zehn, 15 Jahren häufiger, jetzt ist es amtlich: Die Stadt Hemsbach schließt die Uhlandschule. Der Gemeinderat hat bei seiner Sitzung am Montagabend mit großer Mehrheit beschlossen, um Schuljahr 2016/2017 keine Erstklässler mehr in der Grundschule im Südwesten einzuschulen. Zuvor hatte das Gremium zwei Beschlüsse zur Ganztagsgrundschule an der Hebelschule gefasst: Die soll vermutlich ebenfalls zum Schuljahr 2016/17 in Wahlform an vier Tagen mit je sieben Zeitstunden starten und angesichts des erwarteten Runs dreizügig ausfallen. Dann aber fehlen für eine dritte Grundschule schlicht die Schüler.

Bürgermeister Jürgen Kirchner sprach in einer engagierten Rede von einem „schmerzlichen Prozess“ und einem „großen Einschnitt in die Hemsbacher Schullandschaft“ und betonte in einer Pressekonferenz zum Thema, die gestern im Rathaus stattfand, dass „uns allen das Herz blutet“. An den nüchternen Zahlen komme aber niemand vorbei: „Weniger Kinder bedeuten zwangsläufig weniger Klassen und damit auch weniger Schulen.“ Es gehe dabei um ein Weniger an Quantität, in der Qualität werde es keinerlei Abstriche geben, versprach Kirchner.

Vier Abc-Klassen in Hemsbach

Die Schließung einer der drei Grundschulen liegt in der Konsequenz der deutlich gesunkenen Schülerzahlen. Seit 1997 sank die Zahl der Grundschüler um 30 Prozent, aktuell und in der Zukunft werden noch rund 90 Schüler in den Eingangsklassen der Grundschulen erwartet, das entspricht vier Klassen für den gesamten Grundschulbereich. In den letzten Jahren verteilten sich die Abc-Schüler auf fünf bis sechs Klassen.

Die Situation verändert sich entscheidend, wenn ab dem Schuljahr 2016/17 an der Hebelschule Ganztagsunterricht angeboten wird. Angesichts der starken Nachfrage nach der zurzeit noch kostenpflichtigen Schulkindbetreuung und nachrückender Kinder, die in noch stärkerem Maße heute die Ganztagsangebote in Kindergärten und Krippen nutzen, geht die Stadt künftig von einer Ganztagsquote von 65 Prozent im Grundschulbereich aus, das wären knapp 60 Kinder pro Jahrgang. Daraus ergibt sich eine Dreizügigkeit der Hebelschule. Übrig bliebe eine weitere Klasse für die Goetheschule, die den Grundschulbedarf im Halbtagsunterricht im Ostteil der Stadt abdecken soll. Für eine dritte Grundschule fehlen die Schüler.

Die Stadt wolle alles Mögliche tun, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, sagte Bürgermeister Kirchner. Das Ganztages-Grundschulangebot, das viele Eltern wünschten, sei ein „bedeutender Schritt in diese Richtung“. Das Ganztagsangebot an der Hebelschule soll in Wahlform kommen; das heißt, Ganztags- und Halbtagskinder werden am Vormittag gemeinsam unterrichtet, für die Ganztagskinder wird es an vier Nachmittagen zusätzliche Angebote geben. Nur so können auch die höheren Hebelschulklassen sofort das Angebot nutzen, sagte Kirchner. Nach vier Jahren werde dann geprüft, ob das Ganztagsangebot verbindlich werden soll.

„Es wäre bequemer, alles weiter laufen zu lassen wie bisher“, sagte der Bürgermeister weiter. Auf Dauer würde dies aber Stillstand bedeuten, der verantwortungslos gegenüber Kindern und Eltern sei. Das Problem sinkender Schülerzahlen werde damit nicht verschwinden und die Stadt später mit umso größerer Wucht treffen. Jetzt habe die Stadt noch die Möglichkeit, die Schullandschaft aktiv zu gestalten.

Im Grundsatz gab es dazu keinen Dissens im Gemeinderat. Bei Enthaltung von Arthur Brauch (Freie Wähler) sprach sich das Gremium dafür aus, die Ganztagsgrundschule an der Hebelschule mit drei Zügen aufzubauen und das Ganztagsangebot in Wahlform an vier Tagen mit je sieben Zeitstunden zu offerieren. Keinen Widerspruch gab es auch zu der Frage, dass eine Grundschule geschlossen werden muss, wohl aber, welche dies sein soll.

Uhland- oder Goetheschule?

Die Pole markierten in dieser Frage Marlies Drissler und Ernst Hertinger. PH-Fraktionssprecherin Drissler lobte das „familiäre Ambiente“ und die „großen und hohen Räume“ der Goetheschule, deren nicht ausgebautes Dach Entwicklungsmöglichkeiten biete. Die Uhlandschule habe dagegen bessere Vermarktungschancen und könne auch als Bürgerhaus genutzt werden. FW-Stadtrat Ernst Hertinger sah hingegen große Probleme, die Goetheschule mit Blick auf Inklusion behindertengerecht und barrierefrei auszubauen. Bei der Uhlandschule gebe es diese Probleme nicht. Michaela Zimmer (CDU) erinnerte daran, dass mit der TV-Halle perspektivisch auch das Turnhallengebäude für die Goetheschule wegfallen könnte, und schloss daraus: „Wir schließen das falsche Gebäude.“ CDU-Fraktionschef Christian Falter kritisierte „finanzielle Ungewissheiten“, die daraus resultierten, dass nicht nur die Hebel-, sondern auch die Goetheschule generalsaniert werden müsse, wolle man keine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Schullandschaft schaffen. Fredy Busse (SPD) und Thomas Embach (Grün-Bunte Liste) rüttelten ebenso wie die Wählergemeinschaft Pro Hemsbach nicht an der Verwaltungsempfehlung, die Uhlandschule zu schließen. Gegen deren Schließung stimmten die Stadträte Michaela Zimmer (CDU) sowie die drei FW-Räte Arthur Brauch, Ernst Hertinger und Daniel Pöstges. Herbert Schwöbel, Dirk Schulz-Bauerhin und Christian Metz (alle CDU) sowie FW-Stadtrat Thomas Eitel enthielten sich der Stimme.