Hemsbach reagiert auf große Gänsepopulation am Wiesensee - Koteintrag stellt Gesundheitsrisiko dar

Geschrieben von Heike Pressler am . Veröffentlicht in Aktuelles

Nilgänse gehören zu den sogenannten Neozoen: Sie haben sich, wie auch die Kanadagänse, sehr erfolgreich in einem Gebiet ausgebreitet, in dem sie ursprünglich nicht beheimatet waren. Woher sie eigentlich kommen, sagen ihre Namen. In den letzten Jahrzehnten haben sich diese Gänsearten allerdings in Mitteleuropa, vor allem entlang des Rheins, extrem ausgebreitet. Inzwischen ist ihr massenhaftes Vorkommen auch an Badeseen und in Parks zu einem großen Problem geworden, denn der von den Tieren hinterlassene Kot gilt als gesundheitsgefährdend. Im Rhein-Neckar-Kreis werden die Nil- und Kanadagänse daher seit einiger Zeit auch an diesen Orten bejagt. Auch in Hemsbach soll die mehrere hundert Tiere starke Population jetzt durch jagdliche Maßnahmen vertrieben werden.

Nachdem alle bisherigen Vertreibungs- und Verscheuchungsversuche gescheitert waren, entschloss sich die Stadtverwaltung, das weitere Vorgehen an einem Runden Tisch abzustimmen. Die Beteiligten – neben der Stadtverwaltung Vertreter des BUND, der Vogelfreunde, des Angelsportvereins und der DLRG – kamen jetzt einhellig zu dem Schluss, dass als letzter Schritt nur noch der Abschuss einzelner Tiere am Wiesensee in Frage kommt.

Das Kreis-Jagdamt in Heidelberg wurde daraufhin um eine Ausnahme-Abschussgenehmigung ersucht. „Die ist nötig, weil der Hemsbacher Wiesensee in einem sogenannten befriedeten Bezirk liegt, in dem eigentlich nicht gejagt werden darf“, erklärt Rathausmitarbeiter Tobias Schork. Das Amt gab grünes Licht. Demnächst darf am Wiesensee also ein von der Stadtverwaltung beauftragter Jäger – und nur der – die Vögel bejagen.

Die Stadt hofft indessen, dass sich die Wasservögel aufgrund des sogenannten Jagddrucks von alleine zurückziehen: Oft reicht es aus, nur wenige Artgenossen zu schießen, um den großen Rest der Population zu vertreiben. Allerdings müssen solche Maßnahmen dauerhaft durchgeführt werden, eine einmalige Aktion ist nicht zielführend.

Nilgänse brüten übrigens mehrmals im Jahr. Vogelexperten schätzen, dass es in Deutschland bereits über 10.000 Brutpaare gibt. Das Problem dieser von der EU als invasiv – also heimische Tierarten gefährdend – eingestuften Art wird noch eine Weile existieren, zumal sich zu ihrer hohen Vermehrungsrate noch ein aggressives Verhalten anderen Tieren gegenüber und eine enorme Anpassungsfähigkeit gesellt. Außerdem haben Nilgänse hierzulande kaum Fressfeinde. Kein Wunder also, dass sie vielerorts zur Plage werden.

Bürgermeister Jürgen Kirchner betont jedoch, dass dies keinesfalls als Grund ausgereicht hätte, die Wasservögel am Wiesensee zu bejagen: „Unsere Sorge gilt allein der Gesundheit unserer Badegäste, Seebesucher und Spaziergänger. Der im See, im Gewöhnungsbecken und auf dem Gelände hinterlassene Kot der Nilgänse kann nämlich vor allem für Kinder gefährlich werden.“ In Frankfurt wurden bei Kotuntersuchungen unter anderem Salmonellen festgestellt. „Da steht der Schutz der Bevölkerung natürlich an erster Stelle“, so der Rathauschef, der damit auch auf Beschwerden aus der Bevölkerung reagiert und das Vorgehen mit dem Gemeinderat abgesprochen hat.